Informationen statt Webseiten optimieren

Wie Fraggles zu einem Paradigmenwechsel in der
Suchmaschinenoptimierung führen könnten

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SEO mit Fraggles

Die Suchmaschinenoptimierung ist seit jeher eine Disziplin, die dem ständigen Wandel unterworfen ist. Immer wieder müssen Webseitenbetreiber und SEOs umdenken und ihre Maßnahmen anpassen. Nun könnte mit den Fraggles gar ein Paradigmenwechsel anstehen. Das Ziel sind immer mehr granulare Informationen, die direkt in den Suchergebnissen angezeigt werden. Was den Nutzern zu noch schnelleren Ergebnissen verhilft, könnte die Seitenbetreiber wertvollen Traffic kosten.

Fraggles sind das derzeit wohl heißeste Thema in der SEO-Szene. Mindestens so heiß wie die hochsommerlichen Temperaturen, die uns in dieser Woche erwarten. Auch der Gedanke an die Fraggles dürften so manchem Online Marketer die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Bedeuten sie doch nichts Geringeres als eine Revolution in der Suchmaschinenoptimierung. Doch fangen wir vorne an: Was sind diese Fraggles eigentlich?

Was sind Fraggles?

Den Fraggle-Begriff prägte die amerikanische SEO-Expertin Cindy Krum, als sie ihre Theorie vor wenigen Wochen in einem Blogbeitrag ausführlich erklärte. Aus „Fragment“ und „Handle“ erschuf sie das Kofferwort „Fraggle“, das sich nur schwer ins Deutsche übersetzen lässt. Gemeint sind damit fragmentierte, also in kleine Einheiten zerlegte Informationen, die direkt auf der Suchergebnisseite angezeigt werden. Ein keineswegs neues Phänomen, das aber rasant an Bedeutung gewinnt.

Wer heute nach „Wetter in Karlsruhe“, „Angela Merkel“ oder „Rasen wie oft düngen?“ googelt, der erhält bereits granulare Informationen im Rahmen der Google OneBox, dem Knowledge Graph oder einem hervorgehobenen Snippet. Google zeigt direkt in den Suchergebnissen an, wie das Wetter in Karlsruhe derzeit ist und welche Vorhersage für die kommenden Tage besteht. Der Besuch einer Wetterseite? Unnötig!

Der Knowledge Graph fasst die wichtigsten Informationen zur Bundeskanzlerin zusammen – inkl. Geburtsdatum, Ehepartner und vielem mehr. Wer sich um die Qualität seines Rasens sorgt, bekommt ein hervorgehobenes Snippet angezeigt, das genaue jene Textpassage wiedergibt, die die Antwort auf die Frage enthält. Noch bevor die organischen Suchergebnisse angezeigt werden.

Fraggles gruppieren sich um eine Entität

Diese Beispiele sind zwar noch keine Fraggles, geben aber einen eindeutigen Vorgeschmack darauf, was uns diesbezüglich erwartet. Fraggles sind ganz ähnliche Informationsfragmente, die sich um eine bestimmte Entität gruppieren, statt wie bisher um eine Domain oder URL. Eine Entität ist eine sprachliche Einheit, die durch diverse Einzelaspekte definiert wird. Sie bildet einen semantischen Raum, der für die heutige Suchmaschinenoptimierung von zentraler Bedeutung ist. Eine Entität kann zum Beispiel eine Person, eine Marke, ein Ort oder ein Objekt sein. Die verschiedenen Eigenschaften, die eine Entität beschreiben, sind durch Beziehungen miteinander verbunden.

So wird die Entität „Bank“ semantisch zum Beispiel mit Begriffen wie „Geld“, „Konto“, „Kredit“ und „sparen“ konnotiert. Sie helfen Google unter anderem zu verstehen, dass mit der Bank das Geldinstitut und nicht die Sitzgelegenheit gemeint ist. Entitäten sind dafür verantwortlich, dass SEO-optimierter Content nicht mehr ausschließlich Keyword-basiert ist, sondern die Semantik in den Mittelpunkt stellt.

Fraggles sind losgelöst und ranken eigenständig

In den Vereinigten Staaten, wo die Fraggles erstmals 2017 gesichtet wurden, werden häufig mehrere davon auf einer Ergebnisseite angezeigt. Zum Beispiel als Bestandteil eines Google-typischen Karussells. Die Fraggles sind dabei von der Webseite sowie ihrem Ranking separiert und ranken – im Konkurrenzkampf mit den anderen Fragmenten – vollkommen eigenständig. Nicht ganz unwichtig dabei ist, dass keine Quelle und somit auch keine URL angezeigt wird. Für ein und dieselbe Box kann Google theoretisch Informationen von mehreren verschiedenen Webseiten zusammensammeln. Nur bei den Antwortboxen ist es möglich durch das Anklicken direkt zu dem Abschnitt der Seite zu gelangen, aus dem die Antwort stammt. In der Regel jedoch entfällt die Weiterleitung auf die Webseite.

Übrigens muss es sich bei Fraggles nicht nur um Textinhalte handeln. In den USA gibt es bereits Video-Fraggles. Hierbei wird nur die für die Suchanfrage relevante Szene des Videos wiedergegeben. Ein eindrucksvoller Beweis dafür, was mit künstlicher Intelligenz (KI) bereits heute möglich ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Google auch Audioelemente versteht und direkt den Abschnitt eines Podcasts als Fraggle präsentiert, der sich mit dem Problem des Suchenden befasst.

Fraggles kurz erklärt ...
Fraggles sind granulare Informationen, mit denen Google direkt in den Suchergebnissen die Antwort auf die Frage oder die Lösung des Problems kommuniziert. Diese Inhaltsfragmente arrangieren sich um eine bestimmte Entität herum, statt um eine Domain oder URL. Fraggles haben verschiedene Darstellungsformen und sind stets prominent platziert – in aller Regel vor den organischen Suchergebnissen. Die Theorie: Wer in Zukunft nach einer Entität sucht, bekommt verschiedene Fraggles mit unterschiedlichen Inhalten angezeigt, die auf die Suchintention abgestimmt sind. Webseiten rücken zugunsten der Content-Fragmente in den Hintergrund.

Was will Google mit Fraggles erreichen?

Google will mit Fraggles den Anteil der Zero Click Searches erhöhen. Dabei handelt es sich um Suchanfragen, zu denen es Google gelingt innerhalb der Suchergebnisse schon so konkrete Antworten zu liefern, dass der Besuch einer oder mehrerer Webseiten überflüssig wird. Genau das kann die Suchmaschine mit Fraggles erreichen. Anstatt Besucher an Webseiten „zu verlieren“, will Google sie möglichst lange auf dem eigenen Portal halten. OneBox, Knowledge Graph, Local Pack und Co. waren dabei erst der Anfang. Fraggles könnten die Zukunft sein.

Wie gut das schon heute funktioniert, beweist diese eindrucksvolle Zahl: Bereits jetzt enden 62 Prozent der mobilen Suchanfragen damit, dass der Nutzer gar keine Webseite mehr aufruft, sondern offensichtlich mit den Informationen zufrieden ist, die Google bereits in den Suchergebnissen bereitstellt (Quelle: Jumpshot Inc.). Sofern Google tatsächlich eine Fraggle-Strategie verfolgt, dürfte sich dieser Wert innerhalb kürzester Zeit signifikant erhöhen – auch bei stationären Suchanfragen.

Weniger Traffic für Webseiten droht

Was für Google ein Erfolg sein mag, sorgt bei Webseitenbetreibern nicht ohne Grund für Aufregung. Immerhin bedient sich Google an den aufwendig recherchierten und aufbereiteten Informationen, leitet seine Nutzer aber nicht mehr zwangsläufig weiter. Schon die bisherige Antwortbox veranlasst nicht mehr viele, noch die Quelle aufzurufen. Aber immerhin ist ein mehr oder weniger gut sichtbarer Link dorthin vorhanden. Mit den Fraggles drohen hingegen deutliche Traffic-Verluste, weil sie kaum noch weiterleiten und zudem die klassischen Suchergebnisse weiter verdrängen.

Für Google sind Fraggles auch eine Antwort auf das sich stark veränderte Suchverhalten der Internetnutzer. So sind die Informationsfragmente zum Beispiel perfekt geeignet, um sie im Rahmen der Voice Search als Antwort wiederzugeben. Wer über einen Sprachassistenten sucht, besucht natürlich ebenfalls keine Webseite, sondern interessiert sich lediglich für die blanke, möglichst knappe aber präzise Information. Fraggles reichen den meisten Suchmaschinennutzern, um ihr oberflächliches Informationsbedürfnis zu befriedigen. Sie werden vielfach sogar als Bereicherung und Verbesserung wahrgenommen.

Je eingrenzbarer die Information, die gesucht wird, desto eher kann auf das Aufrufen einer Webseite verzichtet werden. Man spricht dabei auch von Non Domain Entities. Googles Herausforderung in diesem Zusammenhang besteht darin, die relevantesten Inhaltsfragmente aus Webseiten, Feeds und Apps herauszufischen und sinnvoll zusammenzustellen, statt wie bisher ganze Seiten zu indexieren. Denn in Zukunft ranken die Informationen selbst und nicht mehr die Orte, an denen sie publiziert werden.

Genau hierin begründet sich der bevorstehende Paradigmenwechsel. Zwar kümmern sich SEOs bereits jetzt zunehmend um die Optimierung des Inhalts statt um die bloße Webseite, allerdings könnte letztere bald rapide an Bedeutung verlieren. SEOs, die in Zukunft noch erfolgreich sein wollen, müssen radikal umdenken und Informationen statt Webseiten optimieren.

Entity First Index statt Mobile First Index

Experten meinen, dass der erst kürzlich eingeführte Mobile First Index lediglich ein Übergangsindex ist. Ziel könnte ein Entity First Indexing sein. Cindy Krum ist der Meinung, dass es beim Mobile First Index vielmehr um die Klassifizierung und Übersetzung von Entitäten, als um die Displaygröße des Endgeräts geht. Krum bezeichnet den Mobile First Index sogar als „Schleppernetz für Fraggles aller Art“.

Die entitätsbasierte Suche ist auch wissenschaftlich betrachtet von Vorteil. Immerhin sind Entitäten sprachunabhängig, wodurch mehr Quellen in kürzerer Zeit abgefragt werden können, um die besten Informationen zu finden. Unsere Sprache hingegen ändert sich ständig. In einem Entitäten-Index werden kontextuelle Signale eine noch viel größere Rolle spielen, als sie es heute schon tun. Was bedeutet all das für die Suchmaschinenoptimierung?

SEOs müssen radikal umdenken

Wenn zukünftig tatsächlich Informationen statt Webseiten ranken, verlagert sich der Fokus noch stärker als ohnehin schon auf den Content. Webseitenbetreiber müssen relevante Informationen liefern, die zwecks Entitätenerkennung in einen erweiterten Kontext eingebunden werden. Also weg von der bisherigen Keyword-basierten Content-Erstellung hin zu holistischen Inhalten, die ein Thema ganzheitlich und perspektivenreich beleuchten. Holistischer Content liefert die notwendige Informationsdichte, die Google auch aber nicht nur für die Fraggles verlangt.

Je umfangreicher der Content, desto wichtiger das Content Design, damit Google die relevanten Informationen finden kann. Webseitenbetreiber sollten die von ihnen zur Verfügung gestellten Informationen selbst fragmentieren und es Google damit so einfach wie möglich machen. Eine klare Strukturierung ist dabei das A und O. Konsistente Überschriften-Tags und Block-Elemente helfen genauso, wie nach Schema.org ausgezeichnete Daten. Generell sollte mehr Wert auf die Optimierung von Featured Snippets gelegt werden.

Jumplinks helfen beim Auffinden von Fragmenten

Inhaltlich sollte der Content in mehrere logische Abschnitte unterteilt werden. Jedem Abschnitt muss ein beschreibender Name in Form einer passenden Zwischenüberschrift zugeordnet sein (z. B. „SEO-Rankingfaktoren“ statt „Kapitel 3.2“). Über das Inhaltsverzeichnis sollten Ankerlinks direkt zu den Themenabschnitten führen. Auch wenn es noch keinen Beweis dafür gibt, liegt es nahe, das Jumplinks der Suchmaschine beim Auffinden von Inhaltsfragmenten helfen, die später in Fraggles verarbeitet werden.

Bei der Erstellung von Content kommt es zukünftig noch stärker darauf an, Fehler und Schwächen zu vermeiden. Dazu gehören zum Beispiel langatmige, inhaltsleere Einleitungen, überflüssige Redundanzen und ständige Themensprünge. Wer noch nicht begriffen hat, dass Content und Design untrennbar miteinander verbunden sind, wird das bald schmerzhaft zu spüren bekommen.

Nachvollziehbare Theorie mit offenen Fragen

Fraggles sind für Webmaster durchaus auch eine Chance, nämlich um ihren Content inhaltlich und optisch noch besser zu gestalten. Es ist jedoch durchaus verständlich, dass Fraggles auch als Bedrohung wahrgenommen werden. Immerhin hat Google hierzulande eine so enorme Marktmacht, dass Webseitenbetreiber zweifelsohne zu einem erheblichen Grad von der Suchmaschine abhängig ist. Leitet diese ihre Nutzer nicht mehr zwangsläufig weiter, führt das zu einem Traffic-Einbruch und folglich auch zu Umsatzeinbußen.

Proteste dürften nicht ausbleiben. Immerhin stellen sich auch urheberrechtliche und wettbewerbsrechtliche Fragen. Es muss also abgewartet werden, ob Google Fraggles tatsächlich ohne Rücksicht auf Verluste ausrollt, oder ob doch Kompromisse gefunden werden, mit denen beide Seiten leben können.

Das Google zukünftig innerhalb der Suchergebnisse noch mehr granulare Informationen als heute schon zur Verfügung stellen wird, kann kaum angezweifelt werden. SEOs, die sich schon jetzt darauf vorbereiten, indem sie ihren Content entsprechend optimieren, können Ranking- und Traffic-Verluste zumindest abfedern. Vielleicht sogar vollständig kompensieren.

Was meinen Sie? Sind Fraggles eine realistische Zukunftsvision, die die Suchmaschinenoptimierung radikal verändern wird? Oder ist die ganze Aufregung überflüssig, und Google kann es sich gar nicht leisten, die Webseitenbetreiber auf diese Weise zu verprellen? Sagen Sie uns Ihre Meinung in einem Kommentar unter diesem Blogpost!

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Über den Autor

Wer schreibt eigentlich hier? Mein Name ist Eren Kozik, Gründer und Head of SEO der auf SEO spezialisierten Online-Marketing-Agentur SEOPT und bewege mich seit mittlerweile 15 Jahren in der Online-Branche. Im digitalen Marketing, insbesondere im Bereich der Suchmaschinenoptimierung, fühle ich mich besonders zuhause. Meine Leidenschaft für SEO möchte ich gerne mit anderen teilen, die sich für das Thema interessieren.Ich weiß, wie schwierig es für (Klein-)Unternehmer sein kann, im digitalen Dschungel den Durchblick zu behalten. Deshalb teile ich mein SEO-Wissen im Blog und auch auf meinen anderen Kanälen kostenlos.Außerdem gebe ich meinem Newsletter regelmäßig Hands-on-Tipps, die ich in dieser Form sonst nirgendwo anders veröffentliche. Lassen Sie sich diese Chance auf exklusive Inhalte nicht entgehen und melden sich für meinen SEOLetter an!Sollten Sie dennoch Schwierigkeiten bei der Umsetzung von SEO für Ihr Projekt haben, schreiben Sie mich einfach und wir schauen gemeinsam, wie ich Ihnen helfen kann.

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2 Kommentare

Christine Gerresheim 4. September 2019 um 16:04

Ja leider finden ständig Änderungen statt, so dass der Unternehmer bzw. Webseitenbetreiber selber schon gar keine Möglichkeit mehr hat, zu agieren. Für Kleinstunternehmer sind dann die Agenturen kaum erschwinglich und die Großunternehmer haben dann eigene Fachleute.

Antworten

Eren Kozik 4. September 2019 um 18:53

Hallo Christine. Es kommt insgesamt auf die Aufgaben und auf die Mitwirkung des Auftraggebers an. Je ganzheitlicher die (fortlaufende) Betreuung, desto mehr muss natürlich investiert werden. Des Weiteren verstehe ich deine Argumentation nicht ganz, denn z. B. Fernsehwerbung ist auch nicht für jedes Unternehmen „erschwinglich“ und das wird – zumindest nach meinen Erfahrungswerten – einfach akzeptiert. Warum vereinzelte Unternehmer bei SEO (preislich) eine andere Wertvorstellung haben, kann ich nicht nachvollziehen. Am Ende ist immer entscheidend, wie wichtig ein Kanal für dich ist und wie viel du in den Ausbau des Kanals investieren möchtest. LG Eren

Antworten

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