Viele Shops führen Produkte in mehreren Farben, Größen oder Packungsgrößen. Damit stellt sich eine alte Frage: Zeigt der Shop ein Produkt mit Auswahl oder jede Variante als eigenes Produkt? Die Antwort hängt vom Seitentyp ab. In der Kategorie steht jedes Produkt einmal und zeigt seine Auswahl. Auf der Produktseite hat jede Variante eine eigene URL.
Das Wichtigste in Kürze
- In der Kategorie steht jedes Produkt einmal. Der Eintrag zeigt seine Auswahl über kleine Farbfelder und die Zahl der Varianten. So empfiehlt es auch das Baymard Institute nach Nutzertests.
- Viele fast gleiche Einträge kosten Überblick. Laut Baymard kann das Sortiment dadurch sogar weniger vielfältig wirken, als es ist.
- Auf der Produktseite hat jede Variante eine eigene URL. Google empfiehlt das, damit es die Varianten auseinanderhalten kann. Eigener Pfad oder Parameter, beides ist möglich.
- Produktnamen in der Sprache der Kundschaft. Kürzel aus der Warenwirtschaft helfen weder Suchenden noch Google. Der verständliche Name gehört auch in den Title.
- Echte Links und strukturierte Daten verbinden die Varianten. Links mit
hrefkann Google crawlen. Mit ProductGroup versteht Google besser, welche Seiten zur selben Produktfamilie gehören. - Nicht jedes Merkmal ist eine Variante. Was eine eigene Kaufentscheidung ist, etwa Knäuel oder Sparpaket, bekommt einen eigenen Eintrag in der Kategorie.
Diese Seite gehört zu Folge 6 des Podcasts „Struktur vor Taktik“. Sie fasst den Musterfall aus der Folge zusammen und ergänzt, was sich schlecht vorlesen lässt: die Belege aus der Google-Dokumentation, zwei Entscheidungshilfen und eine Prüfliste für Ihren Shop.
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Der Musterfall: vier Garne, fast hundert Einträge
Ein Online-Shop für Wolle und Garne führt bei den Merinogarnen vier Sorten. Jede Sorte gibt es in vielen Farben, jede Farbe als einzelnes Knäuel und als Sparpaket. In der Kategorie erscheinen trotzdem fast hundert Einträge auf mehreren Seiten, denn jede Farbe und jede Packung steht dort als eigener Artikel. Der Shop ist erfunden, das Problem ist echt.
Die Produktnamen stammen aus der Warenwirtschaft, etwa „MER Soft FB042 50g“. Im Lager weiß man, dass FB042 die Farbnummer für Petrol ist. Im Shop steht das Wort Petrol nirgends. Auf der Produktseite führt kein Link zu den anderen Farben, und im Code fasst kein Hinweis die Farben zusammen. Google findet so fast hundert einzelne Seiten, von denen keine erkennen lässt, dass sie zu den anderen gehört.
Die Warenwirtschaft arbeitet dabei richtig: Jede Farbe hat einen eigenen Bestand und eine eigene Artikelnummer. Der Fehler entsteht erst, wenn der Shop diese Lagerliste eins zu eins in die Kategorie übernimmt. Dann zeigt er die Sicht des Lagers, nicht die der Kundschaft.
Der Einwand: Zeigen viele Einträge nicht mehr Auswahl?
Naheliegend ist der Einwand, dass hundert Einträge mehr Sortiment zeigen als vier. Das Baymard Institute hat diese Frage in Nutzertests untersucht. Wer in einer Produktliste immer wieder dasselbe Produkt in anderen Ausführungen sieht, verliert den Überblick und hält das Sortiment womöglich für weniger vielfältig, als es ist. Manche verlassen den Shop, weil sie annehmen, er führe nicht, was sie suchen.
Baymard empfiehlt deshalb, Varianten in der Produktliste zu einem Eintrag zusammenzufassen und die Auswahl am Eintrag zu zeigen: mit kleinen Farbfeldern und mit der Zahl der Varianten in Textform. Laut Baymard zeigen 12 Prozent der untersuchten Shops Varianten dennoch als einzelne Einträge.
Manche Shops wählen einen Mittelweg: Die Größe wird auf der Produktseite gewählt, jede Farbe steht als eigener Eintrag in der Kategorie. Für die Größe passt das, denn auf dem Produktfoto sieht ein Artikel in jeder Größe gleich aus. Für die Farbe bleibt das Problem: Dasselbe Modell steht so oft in der Kategorie, wie es Farben hat.
Die Lösung: zusammenfassen in der Kategorie, unterscheiden auf der Produktseite
In der Kategorie vergleicht man Produkte, auf der Produktseite wählt man die passende Variante. Für den Musterfall bedeutet das:
- Kategorie: ein Eintrag je Sorte und Packung, mit Farbfeldern und der Zahl der Farben. Aus fast hundert Einträgen werden acht, und das Sortiment passt auf eine Seite.
- Produktname und Title: aus vorhandenen Merkmalen zusammengesetzt, etwa „Merinogarn Soft, Petrol, Einzelknäuel“. Die Artikelnummer bleibt erhalten, steht aber nicht mehr im Namen. So lesen Kundschaft und Google, was die Seite anbietet.
- Produktseite: eine Farbauswahl direkt über dem Warenkorb. Jede Farbe ist ein gewöhnlicher Link auf ihre eigene URL. Ein Klick führt zur nächsten Farbe, und Google kann jeder Variante folgen.
- Strukturierte Daten: eine ProductGroup mit
productGroupID,variesByundhasVariant, jede Farbe als Product. So versteht Google besser, welche Seiten Varianten desselben Produkts sind.
Im Musterfall wird dafür keine Seite weitergeleitet oder für Google gesperrt. Wer nach Merinogarn in Petrol sucht, soll direkt auf der Petrol-Seite landen. Die Farbseiten bleiben sich ähnlich. Ob Google jede davon einzeln in den Index aufnimmt, entscheidet Google selbst.
Variante oder eigenes Produkt?
Nicht jedes Merkmal ist eine Variante. Im Musterfall bekommt die Packung bewusst einen eigenen Eintrag in der Kategorie:
- Farbe ist eine Variante: Sie ist eine Wahl innerhalb desselben Produkts.
- Größe ist eine Variante: Auch sie ist eine Wahl innerhalb desselben Produkts. Einzeln gelistet sähen die Einträge gleich aus.
- Packung ist ein eigenes Produkt: Knäuel und Sparpaket sind zwei Kaufentscheidungen mit eigenem Zweck und Preis. Ein Knäuel kauft man zum Ausprobieren, ein Sparpaket für einen ganzen Pullover.
Die Faustregel dahinter: Was eine Wahl innerhalb desselben Produkts ist, wird Variante. Was eine eigene Kaufentscheidung ist, bekommt einen eigenen Eintrag.
Eine Seite je Produkt oder eine Seite je Variante?
Google unterstützt beide Umsetzungen, solange jede Variante über eine eigene URL erkennbar ist: über einen eigenen Pfad wie /merinogarn-soft/petrol oder über einen Parameter wie /merinogarn-soft?farbe=petrol.
- Eine Seite mit vorausgewählter Variante: Die Varianten-URL ruft dieselbe Seite auf und wählt die Variante vor, mit passendem Bild, Preis und passender Verfügbarkeit. Als kanonische URL nennt Google hier die URL ohne Parameter.
- Eine eigene Seite je Variante: Jede Variante hat ihre eigene Seite. Die Seiten verlinken sich gegenseitig, und die strukturierten Daten fassen sie zur Produktgruppe zusammen.
Im Musterfall bekommt jede Farbe ihre eigene Seite, weil sie in der Warenwirtschaft ohnehin ein eigener Artikel ist. Meine Einordnung, keine Aussage von Google: Wird nach einzelnen Farben oder Größen gesucht, spricht das für eine eigene Seite je Variante. Dann kann die Suche direkt auf der passenden Variante enden.
Nicht zu verwechseln sind Variantenseiten mit Filter-URLs: Ein Farbfilter in der Kategorie erzeugt eine gefilterte Produktliste, keine Variante. Wie Sie Filter-URLs steuern, beschreibt der Beitrag zur Facettennavigation im Onlineshop.
Was Google zu Produktvarianten dokumentiert
- Eigene URL je Variante: Jede Variante sollte über eine eigene URL erkennbar sein, über einen Pfad oder einen Parameter. Das hilft Google, die Varianten zu verstehen. Werden Varianten über optionale Parameter abgebildet, gilt die URL ohne Parameter als kanonische URL. Quelle: Google, URL-Struktur für E-Commerce-Websites
- Strukturierte Daten: Mit ProductGroup und den Eigenschaften
variesBy,hasVariantundproductGroupIDversteht Google besser, welche Produkte Varianten desselben Produkts sind. Die Produkte können dann auch in Händlereinträgen mit Varianteninformationen erscheinen. Quelle: Google, Strukturierte Daten für Produktvarianten - Eine Seite mit Vorauswahl: Jede Variante bekommt eine eigene URL mit Parameter. So kann Google jede Variante crawlen und identifizieren. Die Seite soll dabei das richtige Bild, den richtigen Preis und die richtige Verfügbarkeit der Variante zeigen. Quelle: Google, Strukturierte Daten für Produktvarianten
- Links: Google kann einen Link in der Regel nur crawlen, wenn er ein
<a>-Element mithref-Attribut ist. Quelle: Google, Link best practices - Title: Das Title-Element nutzt Google laut eigener Auswertung in rund 87 Prozent der Fälle für den Titellink im Suchergebnis. Quelle: Search Central Blog, 2021
Prüfliste für Ihren Shop
Nehmen Sie ein Produkt, das Sie in mehreren Varianten führen, und prüfen Sie:
- Steht es in der Kategorie einmal und zeigt seine Auswahl, etwa mit Farbfeldern und der Zahl der Varianten? Oder erscheint es als lange Reihe fast gleicher Einträge?
- Würde Ihre Kundschaft den Produktnamen so aussprechen, wie er im Shop steht?
- Führt auf der Produktseite ein echter Link zu jeder anderen Variante, auf eine eigene URL? Ein Auswahlfeld, das die Seite nur per Skript wechselt, genügt dafür nicht.
- Wird nach einzelnen Varianten gesucht, etwa nach Farbe oder Größe? Die Google Search Console zeigt nur Suchanfragen, bei denen Ihr Shop bereits in den Ergebnissen erscheint. Die Nachfrage darüber hinaus zeigt ein Keyword-Tool.
- Nimmt Google Ihre Variantenseiten einzeln in den Index auf? Das zeigen der Bericht „Seiten“ und die URL-Prüfung in der Search Console.
Kommen Sie bei einem SEO-Problem in Ihrem Shop nicht weiter? Reichen Sie es zur Shop-Diagnose ein. Ausgewählte Fälle bespreche ich im Podcast, kostenlos und auf Wunsch anonym.
Kapitel der Folge
- 00:00 Die Frage: ein Produkt mit Auswahl oder jede Variante einzeln?
- 00:42 Der Musterfall: vier Garne, fast hundert Einträge
- 02:53 Der Einwand: Zeigen viele Einträge mehr Auswahl?
- 05:04 Die Lösung: Kategorie, Produktnamen, Links und strukturierte Daten
- 07:46 Prüfauftrag für den eigenen Shop
- 09:03 Vergleichen in der Kategorie, wählen auf der Produktseite