Marketing Festival 2015 – Recap

Marketing Festival 2015 – Recap

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Marketing Festival 2015

Nachdem ich nun einige Stunden damit verbracht habe die ganzen Recaps der SEOkomm zu lesen, habe ich Lust bekommen meinen ganz eigenen Recap zu schreiben. Nicht zur SEOkomm, sondern zum Marketing Festival 2015. Sicherlich etwas, wozu Sie keine 20-30 Recaps lesen werden können, da meines Wissens neben mir nur 3 andere Deutsche auf dieser Online Marketing Veranstaltung im tschechischen Brünn waren. Ein Umstand, den ich bei Speakern wie Oli Gardner, Marty Neumeier, Dan Petrovic, Aleyda Solis, Cyrus Shepard und Larry Kim zwar absolut nicht nachvollziehen kann, der mir aber nun die Chance gibt ein wenig über die 4-tägige Mammut-Veranstaltung zu schreiben.

Was ist das Marketing Festival?

Beginnen wir doch kurz mit einem Überblick zum Marketing Festival, da es ja anscheinend in Deutschland noch recht unbekannt ist. Das Marketing Festival, kurz #mktfest ist mit über 1.100 Besuchern die mit Abstand größte Online Marketing Konferenz in Tschechien. Veranstaltungsort ist und war in der dreijährigen Geschichte des Festivals immer die Janacka Oper in Brünn. Gründer des Festivals ist mit Jindrich Faborsky jemand, der so sehr von seiner Veranstaltung überzeugt war, dass er diese sogar mit seinem eigenen Geld bzw. der ein oder anderen geliehenen Krone finanzierte, da es wohl schwierig war Finanziers von seiner genialen Idee zu überzeugen. Gleiches galt übrigens anfänglich für die Speaker, die ihm zunächst in Massen absagten und sich erst nach diversen Skype-Telefonaten von der Idee Jindrichs überzeugen und anstecken ließen. Zumindest wenn man bedenkt, dass Cyrus Shepard nun bereits zum dritten Mal beim Marketing Festival war und MOZ einer der Sponsoren ist, die dabei helfen, dass kein eigenes Geld mehr ausgegeben werden muss und alle Kredite zurückbezahlt werden konnten. 🙂

Wie läuft das Marketing Festival ab?

Das Marketing Festival ist mittlerweile zu einem etablierten Event geworden, welches ich wirklich nur weiterempfehlen kann. Der Ablauf ist dabei jedes Jahr ähnlich und verlief dieses Jahr wie folgt:

Kommen wir zu den Workshops

Durch meine fehlenden Tschechisch-Kenntnisse bei der Sprachwahl etwas eingeschränkt hatte ich immer noch eine ordentliche Auswahl an Workshops zu denen ich mich anmelden konnte. Am Ende entschloss ich mich für den von Jono Aldason geführten WordPress Workshop und ein, mir besonder am Herzen liegendes Thema, dem Branding. Geführt von niemand geringerem als Marty Neumeier, bekannt für seine Bücher „The Brand Gap“ und „The Brand Flip„, die ich nur empfehlen kann!

Beide Workshops gaben mir interessante Einblicke in die Abläufe anderer Unternehmen und halfen mir einige Fragestellungen aus dem beruflichen Alltag zu beantworten. Seien es nun die Fragen zu Ladezeiten, Sicherheit und Javascript-Hacks in WordPress oder eben das Brand-Theme, welches durch die letzten Google-Updates immens an Bedeutung gewonnen hat.

Die Top 5 Vorträge der Konferenz

Kommen wir zum Wichtigsten, den Vorträgen. Hier möchte ich mich auf meine drei persönlichn Favoriten beschränken, da alles andere wohl diesen Beitrag sprengen würde. Thematisch waren die Vorträge so abwechslungsreich wie die Vortragenden selbst und wirklich schlecht fand ich auch keinen der Vorträge, wobei ich allerdings vom Thema „International SEO“ von Aleyda Solis etwas enttäuscht war, da dieser doch sehr bei den Basics blieb und sich sehr ausufernd mit den Tools und Toolempfehlungen von Solis aufhielt, was ich nach meinen ersten Eindrücken von Alyeda Solis vom SEOktoberfest-BBQs etwas schwach fand. Allerdings gaben mir hier im Anschluss aber auch die Slido Fragen aus dem Publikum eine Möglichkeit zur Einordnung der Kenntnisse der anderen Konferenzteilnehmer. – Nebenbei ein Umstand, der mir wieder zeigte, wie toll das von Markus Tandler veranstaltete Charity-Event war und wie weit die Kenntnisse im SEO-Bereich doch auseinandergehen.

Aber gut. Kommen wir zu meinen Favoriten vom Marketing Festival 2015.

Marty Neumeier und der Brand Flip

Von Cyrus Shepard als „der einzige Speaker mit einer eigenen Wikipedia Page“ angekündigte Marty Neumeier hatte für mich einen der besten Vorträge des Festivals, da er es einfach schaffte mit jedem Satz seine Jahre an Erfahrung einfließen zu lassen. Sowohl im Workshop als auch im Vortrag brachte er immer wieder kleine Anekdoten, die von seinem ersten gemeinsamen Treffen mit Steve Jobs Mitte der 1980er bis zu seinem beinahe Autocrash mit ebendiesem Steve Jobs reichten („I almost killed innovation in the 90s“).

MArketing Festival 2015 - Recap

Aktiv für unter anderem Apple, Hewlett-Packard und Adobe in Brand und Design-Belangen, sprach Neumeier über die Herausforderungen durch die Veränderungen in der Marketing-Welt. Das Thema Brand sei einfach keine Frage der Unternehmen mehr, sondern der Kunden bzw. der „Tribes“, wie er immer wieder sagte. Während ein Unternehmen Anfang des Jahrtausends noch „einfach“ eine Brand kreieren konnte, die Kunden anzog und somit das Wohlergehen der Firma sicherte, hat sich dieses Brand Modell mittlerweile deutlich gewandelt. So sind nach Marty nicht mehr die Unternehmen für das Entstehen einer Brand verantwortlich, sondern die Kunden. Ein Unternehmen muss die Kunden bei Laune halten, die wiederum dafür sorgen, dass man als Brand wahrgenommen wird und die somit die Zukunft des Unternehmens sichern. Oder eben auch nicht.

MArketing Festival 2015 - Recap

Als Beispiel nannte er neben Firmen wie Apple und Nike auch andere „Brands“, die sich in den letzten Jahren hervorbringen konnten oder eben einen deutlichen Abschwung erlebten, wie zum Beispiel die Stadt Las Vegas oder der Schauspieler Bill Cosby.

Laut ihm ist die Zukunft einer Brand daher sehr stark von den Taten abhängig, welche das Unternehmen bereit ist zu gehen: „Any effort to get customers and keep them is branding.“ Ein starker Grund hierfür ist das Verhalten der Kunden, die – gerade durch Social Media – immer abhängiger von der Meinung anderer bzw. dem „Grundrauschen“ wird. Es wird nicht (nur) das gekauft, was gefällt, sondern das was alle haben wollen. Beispiele hierfür waren u.a. die Marken Abercrombie & Fitch (Wo die Kunden verprellt wurden und dies den Abstieg der Marke zur Folge hatte) und Zappos (mit einem ubiquitär verfügbaren Produkt haben sie es geschafft sich durch hervorragenden Service abzusetzen).

Stark zusammenfassend kann für Ihn eine Brand nur überleben und prosperieren, wenn sie ein Alleinstellungsmerkmal für sich herausfindet, mit dem die Kunden zufrieden sind und welches sich bei Bedarf neu erfindet. Generell meinte er, dass gerade kleinere Marken viel zu selten für einen Pivot, eine Änderung des Geschäftsmodells, bereit sind.

Gerade starke Marken zeichnen sich aber eben dadurch aus, dass sie sich ständig neu erfinden und auch für stärkere Änderungen im Logo bzw. der gesamten Wort- und Bildmarke bereit sind. – Man denke nur an den ehemals regenbogenfarbenen Apple-Apfel oder die gegenwärtig aufkommenden Coca-Cola Dosen ohne Schriftzug. Nicht jede Änderung führt automatisch zum Verlust der Identität, sondern idealerweise zu einem erneuerten Markenbekenntnis der Kunden und Fans.

Bart Schutz und seine Queen

Marketing Festival 2015 - Recap

Wie sehr der Psychologe Bart Schutz an seiner Königin hängt, konnte man den Power Point Slides schon direkt zu Beginn entnehmen. In seinem Vortrag: Data, Customers & the Art of Applying Psychology schaffte er es, die psychischen Vorgänge auf hervorragend bildliche Art und Weise darzustellen, die wohl auch dem letzten im Publikum dabei halfen die Wirkungsweisen der beiden Systeme zu verstehen und auf den Kaufentscheidungsprozess anzuwenden.

Marketing Festival 2015 - Recap

Im Weiteren Verlauf erklärte Bart Schutz, wie man diese psychologischen Vorgänge für eine Beeinflussung beim Kaufprozess nutzen und ausbauen kann. Mit wenig Arbeit und etwas A/B-Testing kann somit zum Beispiel die Aufmerksamkeit der Besucher gelenkt werden.

Beste Beispiele hierfür sind:

Es lebe das Linkbuilding und Jason Acidre

Der Co-Founder von Xight Interactive und Autor von Kaiserthesage gab einige spannende Einblicke in die ewig totgesagten Linkbuilding-Strategien. Warum Links so wichtig sind, zeigte Acidre allerdings prompt in seiner sechsten Folie:

Marketing Festival 2015 - Recap

Hinzu kamen einige spannende Theorien, denen ich gerne zustimme. So schrieb Acidre in einer seiner Folien:

„Through various search technology / process advancements (such as: co-occurence, phrase-based Indexing, NLP, etc…) – soon enough, unlinked brand mentions may pass weight in terms of rankings.“

Eine Aussage, die sicherlich in nächster Zeit durch Googles RankBrain und weitere Updates bewiesen werden könnte. Daher sieht seine Brand Strategie bei seinen Kunden auch den Schritt vor, dass diese durch Links zu einer größeren Autorität werden und sich somit zu einer Brand entwickeln werden. Daher empfiehlt er auch das Investment in gute Inhalte, die von den richtigen Autoren zur rechten Zeit gestreut werden.
Hierbei sucht er zum Beispiel auch durchaus einmal geeignete Autoren für einen Text über die Plattform Buzzsumo oder schaut sich bei den Buzzfeed Autoren um, ob hier welche für einen Nebenjob zu haben sind.

Am interessantesten fand ich allerdings den Punkt, der zumindest in der deutschen Blogosphäre noch nicht gänzlich angekommen scheint, dem ich aus eigener Erfahrung aber nur uneingeschränkt zustimmen kann: Wenn Ihr Links haben wollt, dann verlinkt gefälligst selber, was das Zeug hält.

Marketing Festival 2015 - Recap

Denn nur durch diese Offenheit und Wertschätzung anderer Inhalte können die eigenen Inhalte an Aussagekraft gewinnen. Ich meine, man schreibt ja auch keine Doktorarbeit ohne Referenzen. Zumindest nicht, wenn man diese erfolgreich abschließen möchte.

In jedem Fall gab es von Jason Acidre ein paar nette Tipps und Tricks, von denen man sich getrost ein Scheibchen abschneiden kann, wenn man auch in 2016 noch auf das Linkbuilding setzen möchte.

Oli Gardner’s Frankenpage

Wenn vielleicht nicht die beste oder informativste Präsentation, so waren die Slides von Oli Gardner doch eine hervorragende Einstimmung auf das Festival. Sein Vortrag zum Thema: „Frankenpage: Using A Million Little Pieces of Data to Reverse Engineer the Perfect Landing Page war auf jeden Fall die lauteste und lustigste Präsentation der ganzen Veranstaltung.

Aber stützen wir das ganze doch einfach einmal durch die erste und letzte Folie seiner insgesamt 210 Seiten langen Präsentation:

Marketing Festival 2015 - Recap

Marketing Festival 2015 - Recap

Wie auf den beiden Slides zu sehen, geht es um die perfekte Landing Page, die am Ende „in etwa“ so aussehen sollte wie die letzte Folie. Damit sollte zumindest die Ernsthaftigkeit des Vortrages geklärt sein, was diesem aber in keinster Weise geschadet hat.

Anhand seiner Frankenstein-Geschichte führt der sehr unterhaltsame Oli Gardner durch seine Präsentation, in der er immer wieder Beispiele von Seiten zeigte, die man nicht als Paradebeispiel einer gelungenen Landingpage bezeichnen würde.

Hinweise wie, „Man sollte immer einen CTA-Button haben“, sind zwar für die meisten SEOs selbstverständlich, aber bekamen durch die absolut schlechten, aber realen Negativbeispiele eine besondere Note, was man im Publikum auch merkte. Schließlich sind Click-to-Action Buttons eigentlich eine Selbstverständlichkeit in Online Shops. – Oder eben nicht, wie man am Ende der Präsentation ebenfalls vermuten konnte.

In jedem Fall ein hervorragender Einstand für die Gäste, die sich somit um nicht einmal zehn Uhr morgens nach der ebenfalls sehr gelungenen Party im Impact Hub langsam aber glücklich auf die zweitägige Konferenz einstellen konnten.

Dan Petrovic und der Fortgeschrittenen Kurs mit der Search Console

Jeder, der meinen letzten Beitrag zur Search Console gelesen und verstanden hat, dem es insgeheim aber an tieferen Insights fehlte, der wäre bei Dan Petrovic bestens auf seine Kosten gekommen.

Marketing Festival 2015 - Recap

Im Gegensatz zu seinem Vorredner ging es ihm gar nicht um die Brand, sondern um die Keywords seiner Seite und die vorhandenen Optimierungspotenziale.

Marketing Festival 2015 - Recap

Er zeigte, wie man mit einfachen statistischen Metriken die Keywords herausfiltern kann, die sich in aussichtsreichen Positionen befinden, ein hohes Suchvolumen bei hoher CTR haben und somit das höchste Umsatzpotenzial haben. Am Ende sieht das Ganze dann etwa so aus:

Marketing Festival 2015 - Recap

Auf jeden Fall etwas, mit dem es sich Arbeiten lässt, wenn man die URLs, welche mit diesen Keywords ranken ebenfalls nochmal genauer anschaut und sich die URLs herausnimmt, die schon mit mehreren dieser Keywords gute Platzierungen erreichen. – Und man im Anschluss die Suche nach den so genannten Influencern und Seedern richtig anpackt. Beispielsweise durch eine Site-Search auf Twitter: site:twitter.com journalist keyword

Hiermit sollte die Suche nach denjenigen, die sich für mein Keyword interessieren nochmal einfacher und somit effektiver sowie billiger werden und die nächste Linkbait Kampagne kann starten.

Mein Fazit zum Marketing Festival

Habe ich eigentlich schon erwähnt, wie teuer diese Mammut-Veranstaltung war? 5.900 Tschechische Kronen für Frühbucher. Umgerechnt also 220 Euro. Damit war das Ticket ziemlich genau 1/3 von dem Preis, der für mich bzw. in meinem Namen an die SEOktoberfest-BBQ Charities gespendet wurde und knapp halb so teuer wie ein Ticket zum SEO-Day.

Dies ist nur ein weiterer Grund, warum ich das Marketing Festival nur empfehlen kann. Neben den hervorragenden internationalen Speakern, der wirklich einzigartigen Atmosphäre und der wunderschönen Stadt ist die Kombination aus kleinen Workshops, vielen Vorträgen und den Parties mit allen Speakern und vielen Möglichkeiten für Small Talk ein wirklich tolles Erlebnis für mich gewesen, dass ich gerne nächtes Jahr wiederhole. Dann vielleicht ja sogar mit dem ein oder anderem deutschen Online Marketer mehr.

Die Slides zu den meisten Präsentationen gibt es hier und die Videos aller Präsentationen kann man sich auf der Seite des Veranstalters in wenigen Wochen für einen geringen Preis kaufen.

 

 

 

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Über den Autor

Wer schreibt eigentlich hier? Mein Name ist Helen Schrader, Diplom-Geographin und ambitionierte Bloggerin in den Bereichen SEO und Online Marketing. Schwerpunktmäßig beschäftige ich mich mit E-Commerce, Social Media, internetgestützter Markt- und Meinungsforschung sowie kollaborativen Internetumgebungen.

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2 Kommentare

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Mit Brand Marketing zu mehr Erfolg 9. März 2016 um 11:50

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