Der Abbau manueller Google Bestrafungen

Der Abbau manueller Google Bestrafungen

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In Anbetracht der angekündigten Updates der Panda- und Pinguin Algorithmen habe ich mich heute dazu entschlossen ein Kundenbeispiel als Best Practice für eine gelungene Rückführung in die Suchergebnisse zu geben. Das Projekt des Kunden war nicht nur von einer automatischen Bestrafung durch Google betroffen, die sich in einem Verlust der Sichtbarkeit bemerkbar macht, sondern auch von einer manuellen Bestrafung mittels „Blauem Brief“ betroffen.

Als Einleitung sollte vielleicht gesagt werden, dass wir auch bei SEOPT ein Kundenprojekt hatten, das von so einer manuellen Penalty in Folge der Panda- und Pinguin-Updates betroffen war. Ich sage war, weil es tatsächlich so aussieht, als seien wir mit eben diesem Projekt nun über den Berg.

Hier kommt nun ein Erfahrungsbericht zum Umgang mit manuellen Abstrafungen via Google.

Unser Kunde war durch die Machenschaften seiner vorherigen SEO-Agentur sichtbar von den Qualitätsupdates der Pandas (24. April) und Pinguine (24. April 2012 und 25. Mai 2012) betroffen und präsentierte uns schließlich den Brief (ok, die E-Mail), den niemand im Online-Gewerbe sehen möchte. Eine manuelle Abstrafung von Google.

In dem Brief wurde mitgeteilt, dass die „Techniken“ auf den Seiten nicht mit den Google Qualitätsrichtlinien übereinstimmen würden und dass ein unnatürliches Linkprofil entdeckt worden sei. Des Weiteren wurde der Kunde aufgefordert, diese Probleme zu beheben, um wieder in den Suchergebnissen berücksichtigt werden zu können.

Der Verlust von Seitenaufrufen

Detox AuszugSchon vor dem Brief stellten wir fest, dass der Traffic der Seiten innerhalb kürzester Zeit um ein Vielfaches nachließ und die Besucher mit einem Mal ausblieben. Wir machten uns daher, unbewusst der späteren manuellen Abstrafung, auf den Weg, das Linkprofil des Klienten zu untersuchen.

Begonnen haben wir mit den Webmastertools von Google. Schließlich sollte man als Webmaster nach deren Richtlinien und Werten agieren, weshalb es auch nicht schaden kann, bei einem starken Reichweitenverlust bei den Webmastertools persönlich nachzuforschen.

Anschließend nutzten wir MajesticSEO, um die Backlinks dezidierter zu untersuchen. Dabei fiel uns auf, dass es sich in großem Maße um überoptimierte Ankertexte in den Links sowie Links an fragwürdigen Stellen (Footer, Blogroll, Sponsored Links) handelte.

Eine Durchsicht der vorherigen SEO-Reporte (sofern vorhanden) und eine weitere Bearbeitung des Linkportfolios mit Link Detox half beim Erfassen der gesamten Probleme, die uns noch erwarten würden. Durch das Detox Tool war es uns möglich zu erkennen, von welchen Verlinkungen Gefahren ausgingen:

Detox Meldungen

Es kam daher einiges an Arbeit auf uns zu. Immerhin wurde das Linkprofil der letzten fünf, sechs Jahre unseres Kunden als schadhaft angesehen und von Google bestraft. Die nächsten paar Monate setzen wir uns daher daran, die „Linkpartner“ darum zu bitten, die schädlichen Links zu entfernen. Da sich in der Agentur mehrere Linkbuilder gleichzeitig dem Thema annahmen, schafften wir es innerhalb weniger Wochen zumindest alle 3781 Domains anzuschreiben, von denen eine Gefahr für unseren Kunden ausging.

Wegen der besseren Übersicht legten wir darüber hinaus eine Excel-Datei mit den wichtigsten Daten an. Diese Daten waren:

Hinweis am Rande: Wir dokumentierten jede Art der Interaktion mit den nun fragwürdigen Seiten und hielten diese im System fest. Sowohl die Zusagen und die Absagen, Ablehnungen als auch die Nicht-Meldungen. Ziel dieser Anfragen war es schließlich, neben einer Linkbereinigung auch den Namen des Kunden wieder bei Google herzustellen. Und ein Werkzeug wie das Disavow Tool gab es zumindest zu Beginn dieser Maßnahmen noch nicht.

Spätestens, wenn einem die ersten eindeutig fragwürdigen Webmaster antworten, ist es sowohl für die Bemühungen als auch das eigene geistige und moralische Gleichgewicht ein netter Ausgleich, wenn man solche E-Mails hat, um sie an Google zu übermitteln:

Anfrage auf Linkentfernung und folgende Antwort

 

Antwort auf Anfrage zur Linkentfernung

 

Der Einsatz des Disavow Tools

Spätestens bei Meldungen wie den obigen wünschte man sich „damals“ etwas herbei, um diese Webmaster in die Schranken zu weisen. Aber wir versuchten weiterhin an die menschliche Logik zu apellieren und schrieben Webmaster merhfach an um unseren Standpunkt zu erläutern. Leider scheiterten wir bei einigen an fragwürdigen Geschäftsideen und moralisch fragwürdigen Einstellungen. Dankenswerterweise bekamen wir aber unerwartet Unterstützung von Google selbst. Immerhin wurden im Oktober 2012 von Google die Disavow Tools geliefert, die es uns ermöglichten, eben diese schädlichen Links selbst zu „kappen“. Es war meiner Kollegin Simone Hassels daher eine persönliche Freude, sich eingehend mit dem Disavow Tool auseinanderzusetzen und die Verlinkungen von den im Vorfeld mehrfach angeschriebenen Seiten zu entfernen und diese negativ SEO-Maßnahmen eigenständig abzuwerten.

Hinweis am Rande: NIEMALS sollte man bei seinen Wiederaufnahmebemühungen für die Beseitigung oder (vorab) für den Erwerb von Links Geld zahlen! Immerhin versucht man gerade Google von seinen ehrlichen Geschäftspraktiken zu überzeugen. Hier ist es nach einem vorherigen in Kenntnis setzen der Webmaster einfacher, die betreffenden Domains an Google zu übermitteln und die Verlinkung eigenständig mittels Disavow Tool zu entfernen. Dies sollte jedoch gut bedacht und vor allem fachmännisch durchgesetzt werden.

Die Wiederaufnahmeanträge

Kurze Zeit nachdem wir den ersten Wiederaufnahmeantrag bei den Google Qualitätsrichtern eingereicht hatten, bekamen wir eine Absage. Zwar wurde mitgeteilt, dass eine Besserung erkannt wurde, diese aber für die Wiederaufnahmen noch nicht ausreichen würde. Aus denselben Gründen wie in dieser Mail, wurden ebenfalls noch die Anträge zwei und drei abgelehnt. – Während wir uns langsam aber sicher vorkamen wie jemand, der wegen eines Vergehens immer und immer wieder zum Idiotentest rennen muss, gaben wir aber dennoch nicht auf.

Google Wiederaufnahmeantrag

Stattdessen bauten wir unsere Bemühungen schrittweise aus und fassten neben dem Linkprofil auch nach und nach die technischen und inhaltlichen Probleme der Seite ins Auge. Wir verbesserten die OnPage-Situation, indem wir die Informationsarchitektur, die Kopfdaten und Kategorien optimierten sowie im Bereich des Content Marketings aktiver wurden.

Hinweis auch hier: Linkaufbau bzw. -abbau ist nur ein Teil der Arbeitsschritte. Die Wahrscheinlichkeit nur durch eine Bereinigung des Linkprofils wieder in den Suchergebnissen präferiert zu werden, ist, zumindest unserer Erfahrung nach, vollkommen ausgeschlossen!

Diese Meinung stützte auch Google, als der gute Weg nach wie vor genannt wurde, aber der Hinweis folgte, dass wir das Nutzererlebnis noch deutlicher in den Vordergrund stellen sollten. Im Wortlaut teilte man uns mit, dass es wichtig sei, den Nutzer auf den Seiten zu halten und zu „unterhalten“.

Gesagt getan: Content Marketing

Mit einer eigenen Redaktion ausgestattet, war es uns natürlich eine Freude, der Aussage von Google nachzukommen. Wir setzten uns direkt mit mehreren Redakteuren daran, das Kundenerlebnis zu optimieren. Mit ansprechenden Kategorietexten, übersichtlichen und informativen Themenwelten sowie Informationsgrafiken, E-Books und Whitepapern schufen wir Mehrwerte, die sowohl bei den Besuchern auf der Webseite unseres Kunden, als auch bei Google gut ankamen.

Die Aufenthaltsdauer der Nutzer wuchs signifikant an und auch die Richtung der jeweiligen Klickpfade zeigte uns, dass wir gute Arbeit leisteten.

Langsam aber sicher kamen sogar organische Links von anderen Seiten selbst. E-Books wurden verlinkt, Texte zitiert und Infografiken geteilt, was zu einem Anwachsen der organisch entstandenen Verlinkungen führte und endlich unseren Mühen der letzten Monate einen großen Erfolg bescherte.

Kleinere Tiefschläge und der Trend nach oben

Mittlerweile ist ein Jahr vergangen, seitdem wir uns dazu entschlossen haben, mit dem Kunden zu arbeiten. Zwar ist der Sichtbarkeitsverlauf noch nicht wieder bei seinen alten Werten, aber wichtige, vorab festgelegte Zwischenstationen konnten erreicht werden. So befinden sich die organischen Aufrufe der Seiten in einem stetigen Wachstum und konnten im Februar zum ersten Mal wieder eine vorab festgelegte „Schallmauer“ durchbrechen. Seitdem kommt es zwar immer noch zu kleineren Kurvenschwankungen, aber der Trend geht eindeutig nach oben.

Natürlich wollen wir ein Bild des Verlaufes nicht vorenthalten. Es sei uns allerdings verziehen, dass wir zur Anonymisierung des Kunden die (arithmetischen) Mittelwerte der jeweiligen Monate genommen und dargestellt haben.

 Sichtbarkeitsverlauf_Kunde

Kopf hoch und Arbeit, Arbeit, Arbeit

Zugegebenermaßen sind wir auf die Idee zu diesem Bericht erst durch die Aufbereitung eines noch wesentlich komplizierteren Falles gekommen. Aber allein schon die Tatsache, dass sowohl Gary Viray als auch wir sehr ähnlich Schritte unternommen haben, um der manuellen Abstrafung zu entkommen, hat uns darin bestätigt, dass unsere Schritte die richtigen waren. Wir hoffen ebenfalls, dass der geleistete Kraftakt sowie die erfolgreiche Wiederaufnahme unseres Kunden eine gute Erfolgsgeschichte für ebenfalls abgestrafte Seiten sein kann. Es benötigt zwar jede Menge Fleiß, Arbeit und hat auch den ein oder anderen Rückschlag zur Folge, aber rückblickend betrachtet war es auch eine sehr spannende und erfüllende Aufgabe, die Domain wieder in die Suchergebnisse zu bekommen.

Die „Dreiteilung“ der Maßnahmen in Technik, Bereinigung und Content scheint sowohl bei uns als auch bei dem Beispiel von Herrn Viray das Geheimnis zum Erfolg gewesen zu sein. Altlasten wurden abgelegt und entfernt, technische OnPage-SEO-Optimierungen durchgeführt und gleichzeitig konnten mit Texten Inhalte geschaffen werden, die den organischen Linkaufbau förderten und nach wie vor fördern.

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Über den Autor

Wer schreibt eigentlich hier? Mein Name ist Helen Schrader, Diplom-Geographin und ambitionierte Bloggerin in den Bereichen SEO und Online Marketing. Schwerpunktmäßig beschäftige ich mich mit E-Commerce, Social Media, internetgestützter Markt- und Meinungsforschung sowie kollaborativen Internetumgebungen.

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9 Kommentare

Uwe 13. März 2013 um 13:22

Klasse Blog. Auch, wenn es mit viel Arbeitsaufwand verbunden ist, jagt die schwarzen Schafe zum Teufel. Seriösität kommt nicht von ungefähr.
VG

Antworten

Andreas Jantzen 13. März 2013 um 14:21

Klasse Bericht!
Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung der Rangehensweise.
Somit häufen sich nach dem gleichen Schema aggierende Konzepte, Projekte dem Panda-Clan zu entreissen.

Antworten

Peter M. 13. März 2013 um 15:05

Sehr geehrte Frau Schrader,

vielen Dank für diese ausführliche Berichterstattung. Dies war wirklich spannend zu lesen!

Bei soviel Eigenlob würde es aber sicherlich einige Leser und auch mich interessieren, was Ihren Kunden diese „Dienstleistung“ über knapp ein Jahr hinweg gekostet hat? Dieser Punkt ist ja auch nicht zu verachten.

Vielen Dank und freundliche Grüße,
Peter

Antworten

Helen Schrader 13. März 2013 um 16:07

Hallo Peter,

haben Sie etwa noch nicht die Ferraris in Ihrer Nachbarschaft bemerkt? 😉
Nein. Das war natürlich nur Spaß. Ich fahre nach wie vor Skoda aus Überzeugung.

Ganz im Ernst? Wenn ein Projekt in solchem Maße von den Updates betroffen ist, wird als letztes auf das Geld geachtet, da es langfristig gesehen um das wirtschaftliche Überleben des Kunden ging. Normalerweise berechnen wir für unsere Arbeit einen festen Stundensatz, der davon abhängt, welche unserer Abteilungen am Aufwand beteiligt sind, oder wir vereinbaren einen festen Monatspreis mit dem Kunden. – So wie in diesem Fall geschehen.
Für diesen festgesetzten Betrag (den ich nun nicht wirklich öffentlich nennen möchte) haben wir ein Jahr lang gearbeitet und versucht, das Projekt des Kunden wieder in die Suchergebnisse zurückzubekommen.

Vielmehr (und hier falle ich „leider“ wieder in das Eigenlob zurück) haben alle Beteiligten Überstunden gemacht und (freiwillig) auch das ein oder andere Mal am Wochenende gearbeitet, um das Projekt dorthin zu bringen, wo es heute ist. Immerhin entwickelt man in einer Situation wie dieser eine Art Eigeninitiative und Kampfgeist fernab von Wirtschaftlichkeit. Zumindest bei uns 😉

Im Nachhinein betrachtet, hätte uns ein festgelegter Stundensatz einen noch viel höheren Betrag eingebracht. – Pro Monat versteht sich. Immerhin fehlten uns ja auch die Vergleichswerte, die uns nun durch diesen Fall vorliegen. Viele Dinge, die uns im Laufe des Jahres begegnet sind, waren uns im Vorhinein so nicht bewusst und waren somit nicht kalkulierbar. Durch die Maßnahmen haben nun sowohl der Kunde als auch wir gelernt und somit hat der Lerneffekt einen wesentlich höheren Wert als das monetäre.

Antworten

Alexander 14. März 2013 um 9:45

Klasse Artikel!! Und er zeigt ganz klar, dass ehrliches, nachhaltiges SEO eines ist: sehr viel Arbeit! Aber zu gut letzt zum Erfolg führt.

Antworten

Bastian 14. März 2013 um 18:24

Kleiner Tipp: Webmaster die nicht kostenlos den Link entfernen landen auf der Disavow-Links Liste. Nach einem dezenten Hinweis per Mail welche Konsequenzen das für ihre URL hat erfolgt der Rückbau sehr zügig! 🙂

Antworten

Der Aysberg 14. März 2013 um 22:35

Klasse Beitrag, der ein bisschen was von dem immensen Aufwand erahnen lässt – und der Ungewissheit, was einen alles erwartet und ob die Anstrengungen von Erfolg gekrönt sein würden.

Wünsche Eurem Kunden, dass er – jetzt mit seriösen, von Dir kurz angerissenen Maßnahmen – wieder zurück zu seinem alten Hoch findet und Ihr als Agentur weiterhin Viel Erfolg habt!

P.S.: Mensch @Stuttgarter: Steht doch oben, dass sie natürlich nicht über den Preis reden…

Antworten

Eduard Wensler 17. März 2013 um 12:09

Hallo Helen, danke für den informativen Erfahrungsbericht.
Eins ist mir in deiner Autor-Box aufgefallen, dein Twitter-Account ist falsch verlinkt: https://twitter.com/Helen_Schrader sollte bestimmt https://twitter.com/HelenSchrader19 sein 😉

@Bastian: Ich zitiere „Und ein Werkzeug wie das Disavow Tool gab es zumindest zu Beginn dieser Maßnahmen noch nicht.“. Auf die Idee wären die Leute hier auch schon gekommen.

Antworten

Tobias 18. März 2013 um 13:46

Was ist das hier, der Club der Disavow-Erpresser?

Ihr solltet ein Budget für Dritte einplanen, die Euren Kunden den Schmutz hinterherräumen, statt nur in die eigene Tasche zu wirtschaften.

Gruß
Tobias

Antworten

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