Hokus Pokus, WDF*IDF

Hokus Pokus, WDF*IDF

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So langsam kann es eigentlich niemand mehr hören: WDF*IDF, das Karl-Kratzsche Wundermittel, das Websites in kürzester Zeit wie von Zauberhand an die Spitze der Suchergebnisse katapultiert und sie oben hält, ohne dass man viel dafür tun muss. Vorweg möchte ich sagen, dass mir natürlich durchaus bewusst ist, dass es sich bei WDF*IDF nicht um eine Zauberformel handelt, sondern um eine Formel zur Berechnung der Termgewichtung. Und ich weiß auch, dass sie nicht von Karl Kratz persönlich stammt, sondern eigentlich ein alter Hut ist, den er irgendwo ausgegraben hat und mit dem sein Name nun in alle Ewigkeit in Verbindung gebracht werden wird, ob er das möchte oder nicht. Übrigens geht auch bei uns ein Stöhnen durch die Redaktion, wenn die Sprache auf dieses Thema kommt. Leider ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass sich mit diesem Mittel in einigen Bereichen relativ schnell Erfolge erzielen lassen.

Die „Zauber“-Formel

Als mein Chef das erste Mal mit der Bitte auf mich zukam, einen Text nach dem WDF*IDF Prinzip zu optimieren, war ich wenig begeistert. Als Germanistin verspüre ich grundsätzlich einen starken Widerwillen, wenn ich mich mit komplexen mathematischen Formeln beschäftigen soll und die Formel zur Ermittlung der Termgewichtung machte da keine Ausnahme. Natürlich ist die Idee, die dahinter steckt, nicht ganz so schwer verständlich. Wenn man sich einmal ausführlich damit beschäftigt, ergibt sie sogar Sinn 😉 Mehr dazu kann man beim Meister persönlich nachlesen. Wer dies noch nicht getan hat, sollte es spätestens jetzt tun oder sich endgültig von diesem Thema verabschieden.

Doch auch nach eingehender Beschäftigung mit der Thematik war ich noch nicht davon überzeugt. Ich bin kein Fan von Keyword-Dichte im Allgemeinen, relativ oder absolut spielt dabei keine Rolle. Als Redakteurin und Autorin lege ich großen Wert darauf, dass meine Texte inhaltlich gut recherchiert und gut lesbar sind. Ich versuche Leser mit Inhalten zu erreichen und zu fesseln, nicht mit nach mathematisch erstellten Keyword-Dichten. Jede Vorgabe in Bezug auf Termgewichtung schränkt mich in meiner Kreativität ein und schadet dem Text eher, als dass es ihn verständlicher macht. Aber leider schreibe ich nicht nur für Menschen, sondern auch für Suchmaschinen und die stellen nun mal andere Ansprüche an Texte.

Trotzdem erschien mir der Aufwand, einen ganzen Haufen von Seiten zu analysieren, nur um einen Text zu erstellen, der Google weiß machen sollte, er sei inhaltlich relevant, ziemlich hoch. Warum dann nicht gleich einen Text erstellen, der diese inhaltliche Relevanz tatsächlich aufweist? So ein Text sollte doch eigentlich auch allen Ansprüchen der Suchmaschine gerecht werden und bietet zudem auch noch einen Mehrwert. Warum manipulieren, wenn es auch anders geht?

Mein Chef war davon nicht überzeugt und zeigte sich unnachgiebig. Also beschloss ich, einen Text nach WDF*IDF zu erstellen, ihn online zu stellen und meinem Chef zu zeigen, dass nichts als fauler Zauber hinter der ganzen Theorie steckt, um mich danach nie wieder damit befassen zu müssen.

Die Vorgehensweise

Glücklicherweise gibt es inzwischen hilfreiche kleine Programme, die bei der Erstellung von Texten nach dem WDF*IDF Prinzip wertvolle Unterstützung bieten. So blieb mir die Analyse eines Textkorpus erspart. In unserer Redaktion benutzen wir das Tool von OnPage.org und sind damit sehr zufrieden. Es wertet die ersten zehn Seite der Google Suchmaschinenergebnisse aus und liefert – so weit ich das beurteilen kann – brauchbare Ergebnisse.

Ich gab mein Keyword ein, ließ mir die Ergebnisse anzeigen und erstellte dann unabhängig davon einen wunderschönen Text, thematisch passend und gut lesbar. Die Textlänge lag bei etwa 2500 Wörtern. Anschließend glich ich die Werte über das Tool von OnPage.org ab, fügte hier und da das Keyword nochmal ein, bis ich in etwa den vorgegebenen WDF*IDF Wert erhielt. Natürlich berücksichtigte ich auch die anderen für dieses Thema relevanten Begriffe. Das Ergebnis war ein Text, der zwar immer noch informativ, aber nicht mehr so gut lesbar war, weil das Keyword für meinen Geschmack viel zu häufig darin vorkam. Aber na gut, ich wollte ja auch nur meinen Chef von der Unbrauchbarkeit der Formel überzeugen. Den nackten Text warf ich anschließend auf eine Unterseite und verlinkte sie von der Startseite des Online-Shops aus, für den der Text vorgesehen war.

Das Ergebnis

Das Ergebnis fiel allerdings anders aus als erwartet. Schon nach einer Woche stieg die Unterseite auf Platz 28 der Suchergebnisse ein. Das kam mir schon ein wenig wie Zauberei vor. In den folgenden zehn Tagen fiel sie um zwei Plätze, stieg wieder um einen und bewegte sich dann relativ konstant zwischen Platz 28 und 30, sehr zur Freude meines Chefs und inzwischen auch zu meiner eigenen.

Um den Lesefluss zu erleichtern und die Unterseite optisch ein wenig aufzulockern, fügte ich hier und da noch ein Bild und ein paar Tabellen ein. Ich weiß nicht, ob dies ausschlaggebend war, doch kurz darauf stieg die Seite um zehn Plätze und landete auf Position 18. Gestern kletterte sie weiter auf Platz 14 und ich bin gespannt, ob sie es nicht vielleicht noch auf die erste Seite schafft oder ob wir mit gezieltem Linkaufbau nachhelfen müssen. Leider heißt das für mich, dass ich noch mehr Texte nach WDF*IDF Prinzip schreiben muss, auch wenn sie mir stilistisch nicht gefallen. Aber der Erfolg rechtfertigt dies selbstverständlich. Vielleicht muss ich das Keyword auch einfach noch ein bisschen geschickter einbauen. Man wächst schließlich an seinen Herausforderungen.

Aus der Zauber

Natürlich ist das aufgeführte Beispiel nur eines von vielen. Tatsächlich haben wir in unserer Redaktion auch schon andere Erfahrungen gemacht. Es gibt Keywords, die sind beim besten Willen nicht durch WDF*IDF optimierte Texte auf die gewünschten Plätze der Suchergebnisse zu befördern. Obwohl die auf das Keyword optimierten Unterseiten nach denselben Prinzipien erstellt wurden, landen sie nicht einmal unter den ersten 100 Suchergebnissen. Meine Vermutung dazu ist, dass es einfach schon zu viele Seiten mit umfangreichen Inhalten zu diesen Thematiken gibt und der redaktionelle Wert der Seite deshalb nicht von Google erkannt wird (was aber nicht heißt, dass er nicht existent ist!). Es macht daher durchaus Sinn, sich erst einmal mit der Konkurrenz zu beschäftigen und nicht nur die Tools zur Berechnung der Termfrequenz zu bemühen.

Eine Frage, die ich mir in Bezug auf die von mir erstellte Unterseite gestellt habe, ist die, ob sie auch so hoch eingestiegen wäre, wenn ich den ursprünglichen Text online gestellt hätte, also die Version, die sich meiner Ansicht nach besser lesen ließ, aber nicht den vorgegebenen Werten entsprach. Im Rahmen der redaktionellen Betreuung eines anderen Online-Shops habe ich zum Beispiel einen Ratgeberbereich erstellt, bei dem ich keine Rücksicht auf Keyword-Dichte und Termfrequenz gelegt habe. Die einzelnen Seiten stiegen nicht so hoch in den Suchergebnissen ein, kletterten aber konstant nach oben und belegen inzwischen auch gute Positionen, auf denen sie sich mehr oder weniger konstant halten.

Für mich spricht dies dafür, dass vor allem (Überraschung!) guter Inhalt zählt und die Anwendung der WDF*IDF Formel lediglich als eine Art Katalysator wirkt. Sie ist keine Zauberformel, mit deren Hilfe sich alle Probleme in Luft auflösen, sondern nur eins von vielen Mitteln, das auf bestimmten Bereichen zum Ziel führt (auf anderen aber auch nicht). Als Redakteurin fällt es mir immer noch schwer, mich für WDF*IDF zu begeistern. Meine Texte werden durch die Anwendung der Formel nicht besser. Statt Informationen kurz und knapp auf den Punkt zu bringen, verleitet sie mich dazu, Texte in einer Länge zu schreiben, die jeden normalen Webseitenbesucher sofort abschreckt, nur damit ich das Keyword in vorgegebener Anzahl im Text platzieren kann. Der Textqualität kommt dies nicht zugute, da dabei der Blick für das Wesentliche verloren geht.

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Über den Autor

Wer schreibt eigentlich hier? Mein Name ist Eren Kozik, Gründer und Head of SEO der auf SEO spezialisierten Online-Marketing-Agentur SEOPT und beschäftige mich seit 2005 mit der Optimierung von Webseiten für Suchmaschinen. Die Freizeit verbringe ich mit meiner Familie und widme mich dem Laufsport.

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3 Kommentare

HAN SEO 27. Februar 2013 um 12:36

Hallo Mareike,

danke für den interessanten Artikel. Besonders interessant finde ich diesen, da hier die redaktionelle Perspektive im Vordergrund steht – die bisherigen Artikel zum Thema sind überwiegend aus der „technischen“ Sicht geschrieben.

Der Algorithmus macht seit einiger Zeit die SEO-Szene „jeck“. Ein Allheilmittel wird einem zwar nicht an die Hand gegeben, aber es hat unter dem Strich einen positiven Nebeneffekt: „Schreibt gute Texte!“

Sicherlich kann in einigen Bereichen/Branchen sehr viel (und sehr schnell) mit entsprechend optimierten Texten erreicht werden, allerdings ist die Termgewichtung auch nur einer von vielen relevanten Faktoren, nach dem Google die jeweilige Webseite bewertet.

Hilfreich finde ich die WDF*IDF-Tools, um sich damit schnell einen Überblick über die „Qualität“ des eigenen Textes zu verschaffen und um die Konkurrenz zu analysieren und entsprechende Maßnahmen für die Optimierung seiner eigenen Inhalte abzuleiten.

Viele haben schon in der Vergangenheit weitestgehend Inhalte nach diesem Prinzip geschrieben, ohne diesen Logarithmus gekannt zu haben. Nun besteht die Möglichkeit noch ein wenig weiter zu gehen… ob dieses immer im Sinne des Besuchers ist, der die Texte lesen soll sei dahin gestellt.
… allerdings werden viele, liebevoll gestaltete Texte auch nicht gelesen, da die entsprechenden Seiten nicht gut ranken.

So oder so ist es sicherlich immer ein Kompromiss, den jeder Redakteur, SEO oder Seitenbetreiber mit sich selbst eingehen muss ;).

Ich mag die neuen Erkenntnisse und die Tatsache, dass es noch ein kleines Stellschräubchen mehr gibt.

Liebe Grüße aus Kölle,
Jens

Antworten

Karl Kratz 29. Mai 2013 um 20:03

Spannend. Es geht um Information Retrieval. Also um Mathematik. Das mag etwas mühsam sein, in der Tat.

Was ich allerdings nicht verstehe, wie es beim einen oder anderen zu diesen seltsamen Missverständnissen kommen konnte:

– Es steht nirgends, dass man seine Texte „künstlich in die Länge ziehen soll“ um irgendwelche (durch ein Kollektiv definierten) Idealwerte zu erzielen.

– Es steht auch nirgends, dass man Texte grundsätzlich nach einer Kurve oder einer Formel schreiben soll.

Hier nochmal kurz die wichtigsten Best-Practise:

1. Schreib Deinen geilen Text.
2. Nimm ein _richtiges_ Werkzeug für die Termgewichtungs-Analyse (wenn Du Dir unsicher bist, dann hinterfrage Datenbasis und Methode).
3. Führe lediglich ein technisches Finish durch: Werte Terme mit Schreibfehlern bzw. nicht-sinngebende Terme mit hohen Termgewichtungswerten ab; werte sinngebende Terme auf.
4. Überprüfe anhand im kollektiv hochwertiger Terme Sinn und Zweck Deines Dokuments.
5. That’s it, Babe! Finished.

Kein Hokus-Pokus. Kein Fidibus. Einfache Handwerksarbeit. Und zwischendrin nicht vergessen, dass Du an genau _einem einzigen_ Signal herumfingerst. Die anderen sind genauso wichtig.

Ich wünsche Dir wilde Zeiten,

Karl

Antworten

Helen Schrader 30. Mai 2013 um 13:29

Data Mining & Information Retrieval mag vielleicht Mathematik sein (und ja, auch Frauen sollen dies ab und an beherrschen…), aber Ironie ist ein stilistisches Schreibmittel.

– Und ich glaube, dass einige das in Mareikes Text nicht so ganz herauslesen.
Macht WDF Sinn? Durchaus! ist es ein Allheilmittel? Eher nicht, weil es ja lediglich eine Stellschraube der 200-300 Ranking Kriterien von Google ist. Vermutlich. So ganz weiß es ja vermutlich niemand.

Reicht es aus ein „richtiges“ Werkzeug zu benutzen? Vielleicht? Gibt es ein „richtiges“ Werkzeug? Vielleicht. Allerdings haben auch wir die Website Boosting gelesen in der ein nicht ganz unbekannter Mario Fischer schreibt, dass es schwierig ist ein solches Werkzeug aufzutreiben. Entweder weisen sie Schwächen auf oder sind nicht zu bekommen.
Daher ist es nur Verständlich diese Dinge auch einmal kritisch zu hinterfragen. Anscheinend ist das aber wiederum etwas, was nicht jedem gefällt.
Wir bzw. in diesem Fall Mareike, sehen uns in erster Linie als Redakteure und nicht als Mathematiker, die eine Formel verifizieren wollen. Daher sollte eine kritische Hinterfragung der Formel doch möglich sein. – Wenn nötig eben auch mit der nötigen Portion Ironie.

Spaß haben wir nämlich an unserer Arbeit. Selbst dann, wenn man unsere Leistungen kritisiert. Dann aber doch bitte bei aller Mathematik die Worte nicht aus den Augen verlieren. Es geht immerhin in beiden Fällen darum die Zusammenhänge zu erkennen.

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