Google kauft Waze

Google kauft Waze

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Das Jahr 2013 scheint sich zum Jahr der etwas größeren Akquisitionen zu entwickeln. Nach Yahoo und Salesforce hat nun Google nachgezogen. Für über eine Milliarde Dollar hat der Suchmaschinenriese nun das social-mapping Start-up Waze gekauft. Was dies für die Zukunft bedeutet und was das in Deutschland eher unbekannte Waze ist, möchte ich nun erklären.

Social-mapping und Realzeitdaten

Mit der Akquisition von Waze macht Google auf jeden Fall seine sozialen Ambitionen deutlich. Immerhin handelt es sich bei dem Start-up um ein frei verfügbares Kartenprojekt. Genauer gesagt, konzentriert sich das 2007 in Israel und den USA gegründete Unternehmen auf das crowdmapping. Routen, Staus, Straßensperrungen und clevere Umleitungen werden den aktuellen und frei verfügbaren Verkehrsmeldungen entnommen und in das Waze-System eingespeist.

Das Ergebnis ist eine Verkehrskarte, die sich, zumindest in den USA, durchaus sehen lassen kann. Weshalb Deutschland hier noch deutlich hinterher hängt, ist allerdings schnell erklärt. Zum einen ist social-mapping in Deutschland bei Weitem noch nicht so verbreitet wie in anderen Ländern und zum anderen sind die frei verfügbaren Daten (z.B. Zensus) einfach qualitativ und quantitativ schlechter als in den USA. – Und ich habe meine Diplomarbeit mit diesen Daten geschrieben, also glauben Sie mir dies einfach. In Bildern gesprochen sieht der Europa-USA Vergleich daher momentan so aus:

Europa_Waze

USA_Waze

 

Der Nachholbedarf, den es in Europa und vor allem eben auch Deutschland gibt, wenn man von der Kollaboration zwischen Google und Waze profitieren möchte, ist daher schnell ersichtlich.

Warum möchte man Waze?

Das ist wohl die Frage, die sich nun bei den meisten Lesern stellen wird. Immerhin handelt es sich nur um ein weiteres Social Media Spielzeug auf dem ohnehin schon überschwemmten Markt an technischen Spielereien. Warum wird also für eine social-mapping Lösung über eine Milliarde Dollar gezahlt?

Vielleicht ein wenig voreingenommen würde ich einfach einmal behaupten, dass es den meisten Menschen nicht schaden kann, wenn man ihnen ein wenig geographische Hilfestellung geben würde. Ich meine, nehmen wir doch direkt ein Waze Beispiel. Obwohl es in der Gegend um die deutsche Bundesstadt Bonn neben der tollsten SEO-Agentur überhaupt auch noch die ein oder andere Autobahn gibt, scheinen die social-mapper von Waze eher einmal zu oft den Film „Die üblichen Verdächtigen“ gesehen zu haben. Denn während es die älteste deutsche Bundesautobahn zwischen Köln und Bonn (A555) immerhin teilweise auf die Karte geschafft hat, sieht es ansonsten in Bonn etwas leer aus. Abgesehen natürlich von dem Keyser-Karl Ring. Ob es sich nun bei dem Straßennamen um den Carolus Magnus oder den Keyser Söze aus der 1995 erschienenen Filmperle handeln soll, weiß vermutlich nur der Ersteller selbst.

Waze

Ansonsten hatte Google aber sicherlich auch die Konkurrenz im Auge. Immerhin wurden schon lange Facebook und Apple mit Waze in Verbindung gebracht.

Was erreicht Google durch die Akquisition

Durch die Akquisition von Waze baut Google weiter an seiner sozialen Marktpositionierung. Neben Google+ bekommt der Suchmaschinengigant nun eine weitere Lokalisierungsmöglichkeit, die sich hervorragend mit den schon vorhandenen Social Media Elementen und der normalen Suche verbinden lässt. Immerhin hat Waze schon jetzt 50 Millionen Nutzer und die Tendenz ist steigend.

Außerdem hat man es hier mit einer ganz besonderen Form von Nutzer zu tun. Den technisch-versierten und freiwillig interagierenden Nerds. Durch die einzelnen Layer der Karte ist es möglich, in Realzeit auf Benzinpreise, Tankstellen und Shoppingcenter zuzugreifen. Zumindest wenn die Daten vorhanden sind. In Bezug auf die bisherige Nutzeranzahl lässt sich aber eine zukünftige und durch die Big Data angewachsene Plattform durchaus schon erahnen. Die noch mangelhaften oder unzureichend gefüllten Datenbestände werden den Nutzern präsent dargestellt, damit diese direkt wissen, an welchen Stellen es noch Nachholbedarf gibt.

Waze 2 USA

In den Farben gelb, orange und rot werden diese Punkte auf den Karten vermerkt und können von den Seitenbesuchern angeklickt werden. Wo fehlen vermutlich noch Straßen? Wo gibt es angebliche Schleichwege, die aber niemand fährt? Führt die Einbahnstraße tatsächlich in beide Richtungen?

All dies sind Kinderkrankheiten, die es noch auszuräumen gilt. Jeder, der aber schon einmal mit einer anderen Karten-App in der Weltgeschichte unterwegs war, weiß, dass dies kein Einzelproblem ist. – Sicherlich einer der Gründe, warum sich die großen drei der Internetgemeinschaft so vehement um Waze gestritten haben.

Wieso Waze, wenn die eigenen Karten schon gut sind?

Was die meisten verwirrt ist, dass Google bereit war, so viel Geld für ein Kartenprojekt zu zahlen, das auf den ersten Blick dem eigenen Kartensystem so weitreichend unterlegen ist. Google Maps ist das wohl am weitesten benutzte Kartensystem im Internet. Warum benötigt man also noch ein weiteres crowdmapping System?

Auch hier ist die Antwort relativ einfach: Daten, Daten, Daten. Während die Welt bislang hauptsächlich vom Phänomen der Big Data spricht, handelt Google einfach. So bekommt die Suchmaschine durch Waze direkt eine eingeschworene Gemeinschaft aus freiwilligen Datensuchern und Datenaufbereitern. Und wie sehr Google an geographischen Daten interessiert ist, sollte dem Internetkenner ebenfalls kein Geheimnis mehr sein.

Mit dem Video „Experiments in Big Data Visualisation on Maps“ hat Google schon im September die Marschrichtung vorgegeben. Durch Waze ist das Unternehmen nun noch einen Schritt weiter.

Riesige Potenziale im Social und Local Bereich

Abgesehen von den schon genannten Punkten, gibt es noch weitere Vorteile, die Waze Google verschaffen kann. Immerhin ist Google nach wie vor in erster Linie eine Suchmaschine. Und dies bedeutet eben auch, dass es nach wie vor bestrebt ist, den Kunden, also den Suchmaschinennutzern die besten Ergebnisse zu liefern. Dies wird zwar bei all den Updates und AdWords gerne einmal vergessen, ist aber ein hervorragender Ansatzpunkt für die Integration von Waze.

Das in Israel ansässige Unternehmen hat erst im November eine bezahlte Variante für Geschäfte implementiert. Durch diese Werbeplatzierungen hat es Waze schließlich geschafft, eine Werbeplattform für lokale Geschäfte zu errichten, die Google nun in die Hände spielen kann. Immerhin kann auf diese Art und Weise das soziale mit dem lokalisierten verbunden werden. Zwei bislang eher stiefmütterlich behandelte Entwicklungen, mit denen Google nun dem wesentlich sozialer ausgerichtetem Facebook eine Marktnische wegschnappt, die auf den ersten Blick eher zum Unternehmen von Mark Zuckerberg gepasst hätte.

Alles in allem also eine Akquisition, die einiges an Bewegung in den (sozialen) Kartenmarkt bringen sollte.

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Über den Autor

Wer schreibt eigentlich hier? Mein Name ist Helen Schrader, Diplom-Geographin und ambitionierte Bloggerin in den Bereichen SEO und Online Marketing. Schwerpunktmäßig beschäftige ich mich mit E-Commerce, Social Media, internetgestützter Markt- und Meinungsforschung sowie kollaborativen Internetumgebungen.

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