Geänderte Google Qualitätsrichtlinien

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Geänderte Google Qualitätsrichtlinien

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Während Fußball-Deutschland gestern Abend vor dem Fernseher saß und auf den Finalgegner wartete, waren zumindest die meisten SEOs wieder unter den Early Adoptern und machten den Second Screen zum Mainevent des Abends. Ok, das war es dann auch mit englischen Floskeln, aber wie so oft im Leben eines SEOs, passieren die spannendsten Dinge eben meistens nach den offiziellen Arbeitszeiten. Diesmal kam die Ablenkung in Form eines Artikels auf The SEM Post.

Google hat nämlich die Qualitätsrichtlinien laut Autorin Jennifer Slegg massiv geändert. Generell treten Änderungen dieser Qualitätsrichtlinien immer mal wieder auf, und auch einen Blick in dieses streng geheime Dokument konnte schon hier und da einmal erhascht werden. Zuletzt passierte dies in größerem Umfang – nach meinem Wissen –  im Jahr 2013, als schon einmal Teile der Google Qualitätsrichtlinien im Internet auftauchten und natürlich bewertet und ausgewertet wurden.

Quality Guidelines 2014

Bislang konnte ich nur diesen einen Artikel finden, der von den Änderungen in den Qualitätsrichtlinien Googles berichtet sowie ein paar hundert Social Media Profile, die auf eben diesen Artikel verlinken. Allerdings hat es mich etwa 37 Sekunden Suche und Eren etwa 7 Dollar gekostet um die „General Guidelines Version 5.0 vom 31.März 2013“ als PDF zu finden bzw. zu kaufen. Daher schreibe ich nun, den anderen Artikel im Hinterkopf, einfach einmal, auf welche Änderungen man achten sollte. Es soll schließlich Leute geben, die Französisch oder Latein als erste Fremdsprache hatten und dennoch eine Domain im Internet besitzen. Wer mit EAT also lediglich Essen verbindet, sollte vielleicht aufmerksam(er) lesen.

Google_General_Quality_Guidelines

 

General Guidelines

Gut, während Deutschland nun also Argentinien-Holland angeschaut hat, habe ich ein 160 Seiten Dokument gelesen, welches nicht nur dazu führte, dass man mir heute Morgen sagen musste, wer denn nun gewonnen hat, sondern auch, dass ich etwas mehr Kaffee trinke als sonst. – Und das sagt etwas…

Zunächst einmal scheinen die Quality Rater Menschen zu sein, wie Du und Ich:

„A webpage is a document which is part of the World Wide Web.”

“A URL is a character string which your web browser uses to “find” and display a webpage.”

Damit wären die wichtigsten Punkte schon einmal geklärt, die zum Verständnis der weiteren 154 Seiten notwendig sind und wir wissen nun, was einen „Bewertungsexperten“ ausmacht. Immerhin wird auf den Folgeseiten auch noch erklärt, was man bei der qualitativen Seitenbewertung beachten muss.

EAT und das am besten täglich

Expertise, Autorität und Vertrauenswürdigkeit (Trustworthiness) sind die drei Initialen aus denen sich EAT zusammensetzt. Und diese sind Google äußerst wichtig, wenn man sich die folgenden Seiten des Dokumentes durchliest. Immer wieder wird erwähnt, dass man EAT zur qualitativen Bewertung einer Seite hinzuziehen müsse und ein Fehlen oder eine geringe Bewertung einer dieser Variablen schon zu einer Herabsetzung in den Ratings führen solle.

Außerdem hat Google unterschiedliche Erwartungen an bestimmte Arten von Seiten.

„There are highest quality and lowest quality webpages of all different types and purposes“

Explizit steht dann etwa in den Guidelines, das es keine “one size fits all” Lösung geben kann. Vor allem die YMYL Seiten werden besonders kritisch von Google betrachtet.

Wieso sich EAT auf YMYL auswirkt

Harvard_BeispielDie YMYL oder auch „Your Money or Your Life“ Seiten unterliegen einer besonderen Kontrolle durch die Quality Rater. Gemeint sind solche Seiten, die den Nutzern Einkäufe ermöglichen, Rechtsbeistand leisten, medizinische Produkte vorstellen oder die Altersvorsorge betreffen. Da qualitativ minderwertige Seiten einem hierbei nicht nur das Geld, sondern auch im schlimmsten falle das Leben kosten können, gelten für solche Seiten ganz spezielle Richtlinien.

Diese Punkte schließen sowohl den Inhalt (Content) als auch die Kennzeichnung von Werbung und den Aufbau bestimmter Teilbereiche ein, die ich hier natürlich nicht komplett verraten werde.

Wie aber schon auf The SEM Post geschrieben steht, geht es in dem Manuskript auf diversen Seiten darum, den Qualitätswächtern das neue EAT Gedankengut einzutrichtern. Seitenlange Beschreibungen, Beispiele (mit Screenshots) und externe Links sind Punkte, die eine Orientierung für die Bewertungen von Seiten geben.

Je nachdem welches Schwerpunktthema Google eine Seite zuordnet, hat dies Auswirkungen auf die Ansprüche, die an diese Seite gestellt werden. Schon kleine Abweichungen vom EAT Prinzip können also Auswirkungen auf die Bewertung einer Seite haben. Die Inhalte sollen kritisch und unterschiedlich von den Bewertern beurteilt werden. Besonders User Generated Content wie Foren, Kommentare und (Gast-) Artikel unterliegen hier einer besonderen Sorgfaltspflicht durch den Bewerter, womit wir bei der Autorität wären.

Nach den Autorenbildern ist vor den Autorenbildern

Wie bereits von Nils hier im Blog geschrieben, hat Google die Autorenbilder in den Suchergebnissen abgeschafft. Allerdings hindert das Google nicht daran, in den neuen Guidelines mehrere Absätze zur „Reputation Research“ einzufügen. Im Großen und Ganzen geht es darum, dass Google bzw. die Prüfer (besonders bei User Generated Content) auf die Autorität der Beitragenden achten sollen.

„[…] the reputation of a website should be judged on what expert opinions have to say.”

Wer also immer noch glaubt, dass ein Kommentar-Link in einem Blog mit einem einmalig genutzten Pseudonym einer Website weiterhelfen kann, sollte sich seine Vorgehensweise vielleicht vor dem nächsten Qualitätsupdate noch einmal überdenken. Schließlich wird auf den weiteren Absätzen noch einmal explizit darauf eingegangen, wie eine Bewertung solcher Beiträge von „Experten“ bewertet und gewichtet werden sollte.

Gerade für SEO Zwecke müssen aus Autoren unumgänglich Autoritäten werden, die wiederum über das nötige Hintergrundwissen in ihrem Bereich verfügen müssen um als Experte bzw. Autorität wahrgenommen zu werden. Ein Umstand, der laut Richtlinien nebenbei nicht von der Anzahl an Likes, Google+ oder sonstiger Social Signals abhängt, sondern von der Reputation.

Main Content vs. Supplementary Content

Low_QualitySelbst das Content-Content Verhältnis einer Seite ist wichtig in den EAT Kriterien, nach denen die Domain bewertet wird. Während die Devise „Viele Werbeanzeigen = Geringe Qualität“ nach wie vor Bestand hat, ist Google auch hier wesentlich heterogener in der Bewertung der Seiten geworden. Während die alten Qualitätskriterien nur kurz auf die Werbeanzeigen eingingen, wird nun ein ganzer Bereich für die Bewertung bereitgehalten.

Ebenso verhält es sich mit den Inhalten auf den jeweiligen Domains. Je nach Größe des Unternehmens, dem Aufbau der Websites und der Intention hinter diesen Seiten, spielen Hauptinhalte, Nebeninhalte sowie Pflege und Design eine wichtige Rolle bei der Bewertung von Websites durch die Qualitäts-Rater.

Auf mehr als zehn Seiten folgen nun Beispiele für Seiten in den Kategorien „Lowest“ bis „Highest“, die dem Rater genau aufzeigen, wie und nach welchen Punkten die Seiten bewertet werden sollen.

Weniger Arbeit für Programmierer in Shops

Bei all dem Content und der ganzen Content Bewertung sind in den neuen Qualitätsrichtlinien einige technische Punkte in den Hintergrund gerückt, was vermutlich einige Shopbetreiber freuen wird.

Während in den alten Richtlinien noch Punkte wie „Wunschlisten“ und „Foren“ auftauchten, können sich Shops diese nun (zumindest aus SEO Sicht) sparen. Diese Punkte wurden gestrichen und durch andere ersetzt, die wiederum auf EAT abzielen. Je glaubwürdiger und vertrauenswürdiger ein Shop ist, desto besser ist dies nach den Guidelines anno 2014.

Gerade bei Seiten, die man gemeinhin als eher unwichtig bezeichnet hat, sollten Shopbetreiber und SEOs nun einen besonders kritischen Blick werfen.

Hört auf den User zu nerven!

Ganz nach meinem Sinne ist die kritischere Bewertung von Inline Advertising (diese nervigen, doppelt unterstrichenen Werbelinks im Text) und Affiliates im Allgemeinen. Was bisher noch „thin“ Affiliates hieß, sind nun Affiliates im Allgemeinen und auch alles was einem irgendwo ins Gesicht poppt, sollte zumindest mittelfristig überdacht werden. Denn jede User Experience hört irgendwann auf, wenn man bewusst oder unbewusst beim Lesen des „tollen“ Contents dauernd Einblendungen bekämpfen muss, die einem den Einkauf, das Artikel lesen oder das generelle Surferlebnis vermiesen.

Black Hat wo bist du?

Auffallend ist die Abstinenz des Wörtchens „Spam“ in den gesamten Richtlinien. Explizit wird Spam nur an einer Stelle in Bezug auf Kommentar- und Forenspam erwähnt. Allerdings wird beim Lesen des Dokumentes auch deutlich, dass Google auch in Dokumenten mittlerweile Zusammenhänge erkennt und Synonyme verwendet. Nur, weil Spam per se nicht erwähnt wird, sollte jedem Quality Rater nach Durchsicht des Dokumentes bewusst sein, was als hochwertige Qualität einer Seite bezeichnet werden kann und was Mittel zum Zweck ist.

Andere Punkte, die nun nicht mehr explizit erwähnt werden, aber zumindest indirekt noch behandelt werden sind z.B. das Cloaking und ablenkende Inhalte im Sinne von Werbe Pop-ups und eigentlich allen Arten von Pop-ups. Verstecken gilt ebenfalls (immer noch) nicht. Hidden Text, automatisch generierte Inhalte oder Scraping sind auch 2014 Maßnahmen, die man zwar nutzen kann aber nicht sollte, wenn man ernsthaft versuchen möchte seine Domain nachhaltig zu betreiben.

You know nothing John Snow

Lustigerweise steht in dem Dokument, wie auch schon bei The SEM Post geschrieben, dass SEOs nun vermutlich versuchen werden, die Punkte in dem Dokument umzusetzen. Daher werden die Rater extra darauf hingewiesen, dass Sie auch hier nach dem EAT Prinzip arbeiten sollen. Damit wären wir dann wieder bei der Bedeutung von Expertise, Autorität und Vertrauen, welches die geprüften Domains vermitteln soll(t)en. – Oder, wie Karl Kratz in seinem Blog vor kurzem geschrieben hat bei relevanten Inhalten für den Nutzer!

Ziellos geschriebene Texte oder lieblos zusammengewürfelte FAQ Seiten sind nach Durchsicht von 160 Seiten „Benimmregeln“ sicherlich für jeden Quality Rater zu erkennen und helfen weder dem User noch dem Domainbetreiber auf Dauer weiter.

Aber dies sind sicherlich Punkte auf die man in weiteren Artikeln noch eingehen kann, wenn auch der Rest der Agentur einmal die Chance hatte in meinen Ordner zu schauen. Abschließend bleibt nur zu sagen, dass SEO noch spannender geworden ist und die neuen Google Richtlinien einen Weg einschlagen, der den Nutzern eigentlich nur gefallen kann. – Und NEIN, ich/wir werde(n) das Dokument nicht Teilen oder verschicken. Wenn ich es im Netz gefunden habe, können es bestimmt auch andere Suchmaschinenexperten. 😉

Über den Autor

Wer schreibt eigentlich hier? Mein Name ist Helen Schrader, Diplom-Geographin und ambitionierte Bloggerin in den Bereichen SEO und Online Marketing. Schwerpunktmäßig beschäftige ich mich mit E-Commerce, Social Media, internetgestützter Markt- und Meinungsforschung sowie kollaborativen Internetumgebungen.

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