Fauxbook und die Glaubwürdigkeit im Netz

Fauxbook und die Glaubwürdigkeit im Netz

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Soziale Netzwerke erfreuen sich zwar einer nach wie vor wachsenden Anzahl an Nutzern, aber dennoch haben sie alle dasselbe Problem: Meistens werden sie kritisch betrachtet, Emotionen kochen schnell hoch und dennoch wird kaum etwas kritisch von den Benutzern hinterfragt. – Abgesehen von den Geschäftsbedingungen. Die liest zwar kaum jemand, aber einen Shitstorm deswegen lostreten kann jeder.

Von falschen Fans und nicht existierenden Präsidentschaftskandidaten

Wie Lemminge rennen die Nutzer den beliebtesten Marken hinterher und teilen mehr oder weniger leichtfertig und ungeprüft Inhalte von als sicher eingestuften Quellen. Marken, die viele Fans haben müssen gut sein. Daher schließt man sich denen dann auch direkt einmal an. Schließlich sagt Facebook einem ja auch, was die eigenen Freunde mögen. Von Gruppenzwang über Mitläufertum bieten soziale Netzwerke für jeden etwas an.

Dass die Bindung zu „gefällt mir“ Inhalten in den meisten Fällen nicht von einer unumstößlichen Überzeugung ausgeht, zeigt momentan der Präsidentschaftswahl-Verlierer Mitt Romney. Seit Donnerstag purzeln seine Facebook-Likes ins Bodenlose. Man könnte fast meinen, dass er langsam aber sicher aus dem Netzwerk verschwindet, oder wie Slate meint: Facebookers are jumping off the Romney bandwagon faster than you can say „MySpace.“

Allen Bereinigungsaktionen zum Trotz sieht man also auch hier, wie lose und zerbrechlich die Bande zwischen Fans und „Marke“ sein kann.

Von falschen Nutzern und falschen Inhalten

Aber Facebook hat noch ein ganz anderes Problem. Nämlich die falschen (faux) Nutzer. Gegenwärtig schätzt Facebook, dass nahezu 9% der Nutzer, also umgerechnet mehr als 83 Millionen Accounts, mehr oder weniger unecht sind. Dies bedeutet immerhin, dass eine Menge an Personen, welche die gesamte Bevölkerung Deutschlands umfasst auf Facebook nicht real ist.

Laut eigenen Aussagen kümmern sich zwischen 150 und 300 Angestellte bei Facebook derzeitig darum, diese Betrügereien zu entlarven. Aufgeteilt sind diese 9% Fake-User in fast 5% doppelte Profile, 2,5% Pseudonyme und 1,5% unechte oder schlechte Accounts.

 

Facebook ist hier, wegen seiner Marktpräsenz zwar etwas prominenter dargestellt, aber keineswegs das einzige Netzwerk mit diesen oder ähnlichen Problemen. Ich persönlich frage mich ja (und anscheinend nicht alleine) wie es sein kann, dass die erste Marke, die in dem sozialen Kommunikationsnetzwerk Google+ eine Custom-URL bekam, dies geschafft hat, wenn Kommentare nicht möglich sind?

©Facebook

 

Ansonsten gibt es aber (vor allem Hoax-) Probleme in jedem Netzwerk. Allein die Aufrufe zur Knochenmarkspende in den VZ-Netzwerken oder eben auch auf Facebook kommen regelmäßig und gerne in Wellen. Es wird immer die Blutgruppe AB- gesucht (die Blutgruppe ist nebenbei in den meisten Fällen bei dieser Form der Transplantation vollkommen egal, da das Problem des Empfängers ja schließlich ist, dass sein blutbildendes System zerstört ist… Er übernimmt also nach der Spende ziemlich sicher die Blutgruppe des Spenders) und nie weiß der vermeintliche Empfänger etwas von diesem Aufruf. Genauso wie die Vororte, die laut Twitter während des Hurricane Sandy mit Haien zu kämpfen hatten…

Von Spam, Trojanern und AGBs

Es will zwar „jeder“ bei Facebook sein, aber die AGBs sind ständigen Kritiken ausgesetzte. Wie zuletzt durch die Verbreitung des aktuellsten Facebook-Gerüchtes (gegenwärtig mehr als 32.000mal geteilt) oder diversen anderen Fake- bis Spammeldungen. Es gibt mittlerweile selbst Gruppen, die sich mit dieser Problematik auseinandersetzen, aber leider scheinen die meisten nach wie vor das Gehirn erst nach den Postings anzuschalten. Wenn überhaupt.

Häkchen werden ohne zu hinterfragen in den AGBs gesetzt oder entfernt, Individualisierungen in den Browsern durch Add-ons integriert und Apps installiert, die angeblich aufzeigen wer auf dem eigenen Profil war. – Nebenbei etwas, das laut Facebook-Richtlinien ausdrücklich verboten ist und daher nicht funktionieren kann.

Des Weiteren bieten diese Applikationen und Anwendungen oftmals Einsprungspunkte für Hacker und Trojaner. Anstatt sich also lieber die Meldung zu teilen, dass Facebook bald kostenpflichtig wird oder, dass es drei Cent pro Klick auf ein Bild gibt, sollte man sich vielleicht fragen, wie das funktionieren soll. Benötigt Facebook nicht vielleicht Kontodaten, wenn es kostenpflichtig wird bzw. für die Nutzung bezahlt? Und WARUM um Himmels Willen sollte Facebook für solcherlei Dinge Geld zahlen bzw. verlangen?

Von Identitäten und Glaubwürdigkeit

Seit einigen Monaten häuft es sich nun, dass Facebook die Profile von Täuschern löscht. Dies kommt eigentlich weniger überraschend, wenn man sich an die Anfänge des sozialen Netzwerkes zurückerinnert. In den Anfängen war es nur Studenten mit der eindeutigen E-Mail Kennung „.edu“ möglich, sich in dem Netzwerk anzumelden. Eine eindeutige Bestimmung des Nutzers war notwendig und verhinderte die Benutzung von Pseudonymen. Oder wie man den Datenschutzrichtlinien von Facebook entnehmen kann: „Facebook-Nutzer geben ihre wahren Namen und Daten an und wir benötigen deine Hilfe, damit dies so bleibt. […] Du wirst keine falschen persönlichen Informationen auf Facebook bereitstellen […]. Du wirst nur ein einziges persönliches Konto anlegen.“

© Facebook

 

Und? Wie viele von Ihnen haben sich diese Regeln bzw. das Impressum einmal durchgelesen? Genau. Warum lesen, wenn man auch bei jeder kleinen Neuerung einen Shitstorm lostreten kann, der auf einer Fake-Meldung beruht. Die letzte offizielle AGB-Änderung von Facebook stammt nebenbei vom 8. Juni 2012.

Warum geht Facebook aber in letzter Zeit so extrem gegen diese falschen Profile vor? Die Antwort ist schnell gefunden: Die Glaubwürdigkeit von Suchergebnissen bei der geplanten Facebook-Suchmaschine.

Facebook möchte Ernst genommen werden und benötigt daher in erster Linie das Vertrauen seiner „Kunden“. Werbepartner möchten ihre Produkte an echte Facebook-Nutzer verkaufen und nicht auf Schwindler hereinfallen. Social Media Suchergebnisse leben von den Interaktionen und Kontakten der Facebook-Benutzer. Daher verfälschen die Fake-Accounts die Ergebnisse nachhaltig und somit die Glaubwürdigkeit der (geplanten) Suchmaschine. Leider sind die Aussichten, dass sich dieses Problem der unechten Nutzer in den nächsten Jahren verbessert mehr als gering.

Das Marktforschungsinstitut Gartner schätzt beispielsweise, dass gegenwärtig lediglich 4% der Social Media Interaktionen unecht sind. Bis 2014 soll sich diese Zahl auf mehr als 10% verdoppeln. Grund genug für Facebook, sich mit diesem problem dezidierter auseinanderzusetzen, wenn die Suchmaschine nicht so verlaufen soll wie der Börsenstart.

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Über den Autor

Wer schreibt eigentlich hier? Mein Name ist Helen Schrader, Diplom-Geographin und ambitionierte Bloggerin in den Bereichen SEO und Online Marketing. Schwerpunktmäßig beschäftige ich mich mit E-Commerce, Social Media, internetgestützter Markt- und Meinungsforschung sowie kollaborativen Internetumgebungen.

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