Facebooks Graph Search und die Suche per Social Signals

Facebooks Graph Search und die Suche per Social Signals

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Mittlerweile gut eine Woche nach der Bekanntgabe der Facebook Suchmaschine namens Graph Search und der Beta-Version zum testen, möchte ich nochmal etwas näher auf die Bedeutung dieser Suche eingehen.

Nach der Pressekonferenz von Mark Zuckerberg und seinen Angestellten war die Begeisterung für die Suche via Graph Search recht unterschiedlich. Während die vorgestellten Funktionen in vielen Berichten abgewertet wurden, die Suche als nicht relevant bezeichnet wurde oder sich einige von einer generellen Abneigung gegenüber Facebook nicht trennen wollten, gab es auch Leute wie mich, die durchaus Potenzial hinter dieser neuen Funktion erkannten und sich somit auf die weitere Entwicklung von Graph Search freuen.

Soziale Suche im Netz

Bereits in der Pressekonferenz wurde von Mark Zuckerberg mehrfach erwähnt, dass sich die Suche vorerst auf vier Bereiche konzentrieren wird: People, Photos, Places, Interests. Die Suche soll sich also an die im Social Media Bereich äußerst beliebten Personen, Bilder, Orte und Interessen richten. Eben Bereiche, in denen übereinstimmende Vorlieben oft auch Freundschaften im realen Leben bedingen. – Wenn ich dieselbe Kunst oder dieselben Fernsehserien mag, ist es wahrscheinlicher, dass ich erst einmal ein generelles Interesse an dieser Person entwickle und dadurch vielleicht über kurz oder lang eine Freundschaft entsteht.

Wenn keine Gemeinsamkeiten bestehen, dann ist diese Wahrscheinlichkeit weitaus geringer. Besonders wenn man die Person nie gesehen hat und man in unterschiedlichen Orten wohnt.

Graph Search konzentriert sich auf eben diese sozialen Gemeinsamkeiten und hebt sich auf diese Weise eklatant von der Google Suche ab.

Graph Search Suche Beispiel

Vermutlich wird mir Graph Search nicht jede Suche im Internet abnehmen können und ich werde vielleicht auch nach wie vor auf Dienste von Google (oder Bing) angewiesen sein, aber gerade im Bereich der sozialen Kommunikation wird und wurde das Potenzial von Graph Search meiner Meinung nach unterschätzt.

Wird Stalking nur noch durch die Kreativität eingeschränkt?

Die Autorin Kashmir Hill hatte zur Vorstellung des Graph Search im Forbes Magazin geschrieben, dass die soziale Suche nur noch durch die Kreativität der Suchenden eingeschränkt werde und dies auch durchaus Probleme verursachen könnte, wenn es (wieder mal) um den Schutz der Privatsphäre geht.

Dankenswerterweise hat der immer wieder für Überraschungen gute Tom Scott dies auch direkt in die Tat umgesetzt und mir ein paar Screenshots ermöglicht, die zum einen den Hauptkritikpunkt der Autoren entkräften, den jeder aufmerksame Zuhörer der Pressekonferenz sowieso niemals gehört hat: Graph Search ist nicht und wird nicht auf den eigenen Freundeskreis beschränkt sein.

Die Suche mit Graph Search ist vielmehr auf die Angaben der Nutzer (Datenschutzkritik bitte jetzt) und die Formulierung der Suche beschränkt. Wenn meine Suchformulierung daher lautet: „Personen, die in China wohnen und der Falun Gong angehören“, dann betrifft dies vermutlich weniger meine Freunde, aber die Suche zeigt mir diese Treffer dennoch an:

Graph Search China Falun Gong

Eine Aussage, die für die betreffenden Personen durchaus von politischer Brisanz sein kann und sicherlich nicht ganz ungefährlich für die Personen ist, die sowohl als Wohnort China angegeben haben als auch mit einem „Gefällt mir“ angegeben haben, dass sie der 1999 in China verbotenen Falun Gong Religion angehören.

Dummheit schützt vor Strafe nicht

Durch seine Kreativität in der Graph Search Suche hat Tom Scott neben den ganzen Potenzialen der Suche auch die vermeintlichen Probleme aufgedeckt. Je mehr die Leute von sich preisgeben, desto eher können Zusammenhänge aufgedeckt werden, die sich negativ auf die angezeigten Personen auswirken können:

Was mir allerdings widerstrebt, ist diese Suchtreffer mit einer Datenschutzkritik zu verbinden. Diese Daten sind mehr oder weniger absichtlich von den betreffenden Personen ausgefüllt worden. Wer nicht als Rassist, Heiratsschwindler, Heuchler oder Ehebrecher entlarvt werden möchte, sollte diese Punkte vielleicht nicht in seinem Profil ausfüllen. Immerhin lassen sich nun durch Graph Search (im ersten Bild durch den roten Pfeil gekennzeichnet) auch direkt die Ehepartner der Leute suchen, die angeben Prostituierte zu mögen. – Die Suche wird also einfacher und kann direkt noch mit Bildern der betreffenden Personen vervollständigt werden.

Graph Search Rassismus der Angestellten

Sicherlich waren diese Ergebnisse auch schon vorher auffindbar, aber sie waren wesentlich umständlicher zu erreichen. So hätte man das Pferd von hinten aufzäumen müssen und einfach die besagte Rassismus-, Kondom- oder Partnerbörsen-Seite nach Freunden durchsuchen müssen. Eine also eher ermüdende Suche, die nun dank Graph Search vereinfacht wird.

Die vermeintlichen Datenschutz-Verteidiger sollten daher vielleicht einfach einmal überlegen, weniger Informationen über sich preiszugeben. Allerdings ist dies wiederum im Internet im allgemeinen und in den sozialen Netzwerken im speziellen eine Tugend, die nach und nach vernachlässigt wird.

Private Einstellungen und regionale Suche

Schon heute lässt sich in den privaten Datenschutzbestimmungen nahezu alles einschränken, sofern man sich einmal die Mühe macht die Voraussetzungen durchzulesen. Neben Informationen, die weniger für die Öffentlichkeit bestimmt sein sollten und generell äußerst fragwürdig sind, hat Graph Search aber auch durchaus sinnvolle Tipps parat:

Bei diesen – durchaus sinnvollen – Fragen an Graph Search wird das Potenzial der sozialen Suche deutlich. Meiner Meinung nach, wird Graph Search, sofern es von den Nutzern angenommen wird, eine sehr sinnvolle und vor allem sehr regionale Suche ermöglichen. Wozu sollte man Google fragen, wenn man ein Restaurant in der Stadt sucht, in der man gerade Urlaub macht. – Man kann schließlich auch die Bewohner dieser Stadt direkt um „Indische Restaurants in Berlin-Alexanderplatz“ bitten.

KMU und B2C

Sollte Facebook keine Antwort zu diesen Anfragen haben, dann gibt es ja immer noch die Verbindung zu Bing. Die Suchmaschine von Microsoft wird zwar, vor allem in Deutschland, noch eher milde belächelt und kaum wahrgenommen, aber dies kann sich durch die Zusammenarbeit immerhin ebenfalls ändern. Stellen Sie sich doch zum Beispiel vor, dass Bing eine zeitnahe Umsetzung der Social Signals aus Facebook in den Suchergebnissen umsetzen könnte. – Je mehr Likes oder Shares und je weniger Beschwerden (wegen Spam, verletzender oder fragwürdiger Inhalte), desto höher die Platzierung in den Suchergebnissen.

– Sicherlich wäre eine Platzierung aufgrund sozialer Signale nicht für jede Firma von immensen Interesse, aber zumindest im B2C Bereich könnte eine Graph Search bedingte Suche auf Bing durchaus von Bedeutung sein.

Google gegen Facebook

Ich denke, dass es sicherlich noch einige Zeit dauern wird, bis Graph Search eine ernstzunehmende Konkurrenz in der Suche werden wird. – Aber daraus wurde ja auch schon auf der Pressekonferenz kein Hehl gemacht. Graph Search ist über mehrere Monate, wenn nicht Jahre ausgelegt und momentan ja auch nur einigen wenigen in einer Beta-Phase verfügbar.

Allerdings wird in all der Kritik gerne außer Acht gelassen, dass Facebook auf Milliarden von Nutzern und ein schier unbegrenzten Kontingent an Big Data zurückgreifen kann. Sicherlich wird es dauern bis diese Daten auch sinnvoll verwertet werden können und der Graph Search seine vollständige Kraft erreicht hat, aber dann…?

Im Bereich der Social Signals und der sozialen Suche wird Facebook bestimmt Google über kurz oder lang einen Vorteil haben. Das soziale Netzwerk des Konkurrenten ist schließlich wesentlich kleiner und vermeintlich elitärer. Die Suche nach speziellen lokalen Gegebenheiten wird selbst bei der Datenfülle von Facebook nicht immer den kritischen Punkt der Big Data – Menge übertreffen und somit nutzlos sein. Je spezieller die Anfragen sind („Vegane mongolische 24 Stunden Restaurants, die montags geöffnet haben, sich in Gröde, Schleswig-Holstein befinden und ein Buffet anbieten“), desto schwieriger wird es werden, in irgendeiner Suchmaschine passende Antworten zu finden.

Abzuwarten bleibt daher, wie Google und Bing/Facebook mit solchen Suchanfragen in Zukunft umgehen werden. – Das nächstgelegene mongolische Restaurant anzeigen? 24 Stunden Restaurants in der Nähe anzeigen? Das meist empfohlene Restaurant anzeigen? Gröde auf einer Karte anzeigen und den Fragensteller auslachen? Eine Telefonnummer der Tourismuszentrale Schleswig-Holstein anzeigen?

Gefahren und Potenziale

Sicherlich sollte jedem Leser deutlich geworden sein, dass ich eher auf der Seite der Graph Search Interessenten stehe. Ich denke, dass die Suche langfristig gesehen ein sehr großes Potenzial entfalten wird und freue mich darauf, meinen Beta-Zugang etwas auszutesten. Negative wie positive Suchpotenziale sind momentan durch die größere Datenfülle auf englisch noch weitgehend interessanter als auf deutsch und es bleibt abzuwarten, ob die Nutzer die für Graph Search notwendigen veränderten Suchanfragen annehmen werden.

Sofern es Facebook zum Beispiel noch schafft, aktuelle Echtzeitdaten zu transferieren (befinden sich gerade Freunde von mir in der Kneipe xy), dann ergeben sich bedeutende Social Signals, die eine Google Suche garantiert niemals erreichen kann. – Sofern die soziale Suche von den Nutzern auch angenommen wird. Schließlich setzt dieses Beispiel ja auch voraus, dass die Facebook-Nutzer öfter die Verortung aktivieren und somit sagen, wo sie sich gerade befinden.

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Über den Autor

Wer schreibt eigentlich hier? Mein Name ist Helen Schrader, Diplom-Geographin und ambitionierte Bloggerin in den Bereichen SEO und Online Marketing. Schwerpunktmäßig beschäftige ich mich mit E-Commerce, Social Media, internetgestützter Markt- und Meinungsforschung sowie kollaborativen Internetumgebungen.

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