Facebook stellt Graph Search vor

Facebook stellt Graph Search vor

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Heute ab 19 Uhr deutscher Zeit hat Facebook in seinem kalifornischen Hauptquartier in Menlo Park sein Geheimnis gelüftet und seinen Search Graph vorgestellt. Nachdem bereits im September und Oktober letzten Jahres einige Internetseiten den Hoax verbreiteten, dass am 15. Januar 2013 Facebook abgeschaltet werden würde, kam vor knapp einer Woche eine sehr geheimnisvolle Einladung von Facebook an diverse Pressevertreter mit dem Titel: „Come and see what we’re building“ für eben dieses Datum. – Doch was sollte den Vertretern von Presse und Medien vorgeführt werden? Immerhin gab das Unternehmen in einer ähnlich vorbereiteten Pressekonferenz vor gut 1,5 Jahren die Zusammenarbeit mit Skype bekannt.

Eine Zeit des Wartens

Innerhalb der letzten fünf Tage hatte nun die Internetgemeinde Zeit, einen riesigen Hype über die potenzielle Enthüllung entstehen zu lassen. Was würde auf der Pressekonferenz vorgestellt werden? Welche Vermutungen würden sich bewahrheiten? Welche Richtung würde Facebook mit dieser Pressekonferenz einschlagen? Etwa direkte Konkurrenz zu Google durch eine eigene Suchmaschine? Oder doch lieber ein eigenes Smartphone um Apple und Samsung zu ärgern? Immerhin arbeitet Facebook seit einiger Zeit eng mit HTC zusammen. Und was interessiert denn schon die Netzgemeinde, dass Mark Zuckerberg erst letzten Herbst gesagt hat, dass Facebook kein Smartphone entwickeln wird, weil es nicht zur Geschäftsidee passt.  Um 10 Uhr US-Westküstenzeit war es nun endlich Zeit für die Pressekonferenz, womit den wilden Vermutungen ein Ende gesetzt werden konnte.

Auf dem Weg zu einem neuen Hype?

Es ist nicht (nur) die Entwicklung einer verbesserten Messenger App für das iPad oder das wiederaufleben lassen des News Feeds geworden, sondern eine eigene Suchmaschine, genannt Graph Search. Sicherlich für viele überraschend und doch irgendwie naheliegend und von dem ein oder anderem auch schon vermutet. Dennoch eine sehr Interessante Entwicklung, die sicherlich einiges an Bewegung in den Suchmaschinen-Markt bringen wird.

Immerhin steht Facebook mit diesem Entwicklungsschritt nun in sehr direkter Konkurrenz zu einem anderen, momentan umstrittenen Konkurrenten: Google.

Welchen Vorteil hat Facebook?

Durch die Massen an Nutzerdaten und dem damit verbundenen Überblick über die Sucheigenschaften seiner Nutzer hat der Facebook Search Graph einen entscheidenden Vorteil über die Suchmaschinen von Google, Yahoo oder dem Kooperationspartner Bing bzw. Microsoft. Schließlich kann das soziale Netzwerk sowohl auf demographische als auch sozio-ökonomische Daten der Nutzer zugreifen. Welches Alter haben Nutzer, die mein Produkt suchen? Woher kommen Sie? Was für einen Job haben Sie? Welcher Religion oder Nationalität gehören Sie an?

Sofern der Nutzer diese Daten auf seinem Profil ausgefüllt hat, kann die Facebook-Suchmaschine ganz im Sinne vom aktuellen Modewort „Big Data Monitoring“ mit diesen Daten arbeiten und die Suchergebnisse auf eine Art und Weise verfeinern, die Google auch mit dem besten Linkgraphen so nicht erreichen kann. Daher baut Facebook bei seiner Graph Search Suchmaschine auf eben diese Daten, die jedes Suchergebnis personifizieren und von den privaten Daten jedes einzelnen Nutzers leben.

Social Search und soziale Meinungen

Der Nutzer kann sich die Daten aus Facebook nutzbar machen und seine „soziale Suche“ darauf abstimmen: Welcher meiner Freunde war schon einmal in Restaurant xy? Welche Freunde meiner Freunde sind männliche Singles, die in San Francisco leben und aus Indien stammen? Freunde, die Produkt Manager sind und eine eigene Firma gegründet haben? Welche Zahnärzte empfehlen meine Freunde? All diese und noch einige Beispiele mehr wurden auf der Pressekonferenz von Lars Rasmussen vorgestellt und lassen sich auch auf die Photosuche anwenden: Photos von Freunden, die im Yosemite Park waren oder Photos von Freunden, die Paris besucht haben?

Alles kein Problem mit dem Graph Search. Facebook bleibt seinen sozialen Wurzeln treu und konzentriert die Suche (momentan) voll und ganz auf die Social Media Komponente. „Filme meine Freunde mögen“ oder „TV Serien, die meine Freunde mögen“ oder aber auch „TV Serien, die von Ärzten gesehen werden“ sind sicherlich Suchergebnisse, die im Bereich des Marketings und der zielgruppenorientierten Werbung von immenser Bedeutung sein und werden können.

All dies ist durch Graph Search abgedeckt und kann, sofern es von den Facebook-Nutzern ausgefüllt wurde, durchsucht werden. So konnte zum Beispiel die Live-Suche nach „photos f Berlin, Germany from 1989“ mehr als 100 öffentlich zugängliche Bilder vom Mauerfall finden.

Schwerpunkte der Facebook-Suchmaschine

Search-Graph2Zuckerberg hat während der gesamten Pressekonferenz immer wieder gesagt, dass die momentane Konzentration vollkommen auf die vier Punkte „people, places, photos and interests“ ausgerichtet sein wird. Eben jene Punkte, die im Bereich der sozialen Netzwerke eine besondere Bedeutung haben, da gerade Mode, Freunde und selbst Interessen wie TV-Serien oder Kinofilme durchaus in einem gewissem Maße im Freundeskreis einheitlich sind. Von daher vertraut man hier eher der Aussage eines Freundes, dass man den Film xy unbedingt sehen sollte anstatt einem Kinokritiker, der schon den letzten Film, den man eigentlich mochte, verrissen hat.

Außerdem wird es Facebooks Position gegenüber dem Kooperationspartner Microsoft mit dessen Suchmaschine Bing, da sicherlich alle Resultate, die im Search Graph (noch) nicht gefunden werden können, sicherlich auf die Web Search Dienste von Microsofts Bing zurückgreifen werden.

Ausblick auf den Search Graph 2013

Alles in allem hat mich die Vorstellung des Search Graph zwar nicht vollkommen überrascht, aber mit dieser Art der Umsetzung hätte ich nicht unbedingt gerechnet. Mit dieser Art der Suchmaschine bleibt Facebook seinen Social Media-Wurzeln treu und tritt nicht direkt in einen offenen Schlagabtausch mit Google. Auch wird sich Graph Search vermutlich erst einmal auf den amerikanischen Kontinent konzentrieren, da dort die meisten dieser Daten wesentlich besser ausgefüllt sind als in Deutschland und dem Rest Europas, wie auch schon bei meinem Artikel zur ähnlich funktionierenden collective intelligence App Wisdom deutlich wurde.

Data Mining wird in Verbindung mit dieser Facebook Suchmaschine nun vermutlich noch öfter und inflationärer gebraucht werden als letztes Jahr und, je nachdem wie schnell Facebook diese Entwicklung perfektioniert, auch für die nächsten Jahre bleiben.

Außerdem denke ich, dass die Privatsphäre-Einstellungen und deren Umsetzung von besonderer Bedeutung sein werden. – Vor allem, wenn man bedenkt welche Probleme Facebook immer wieder mit den eigenen Fans wegen der Privatsphäre-Einstellungen bekommt. Immerhin verspricht die Einführung eines besonderen Tools für die Anpassung der Einstellungen schon einmal, dass sich Mark Zuckerberg und Facebook Gedanken zu diesen Dingen bei der Einführung des Graph Search gemacht haben.

Abzuwarten bleibt allerdings, ob wirklich die Nutzer bereit sein werden so viele private Daten zu teilen. Immerhin kann der Search Graph nur funktionieren, wenn möglichst viele Personen bereit sind die privaten Daten mit dem Freundeskreis auf Facebook zu teilen. Aber wie meinte schon Zuckerberg in der Pressekonferenz: „there are so many people on Facebook that you can get good signals very quickly“.

Wenn Ihnen dieser Beitrag nicht genügt:

www.nytimes.com/2013/01/15/technology/fortunes-of-facebook-may-hinge-on-searches.html?pagewanted=all&_r=0
www.cnbc.com/id/100381000
live.cnet.com/Event/Facebook_unveils_what_its_building
http://facebook.com/graphsearch

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Über den Autor

Wer schreibt eigentlich hier? Mein Name ist Eren Kozik, Gründer und Inhaber von SEOPT und beschäftige mich seit 2005 mit der Optimierung von Webseiten für Suchmaschinen. Privat beschäftige ich mich intensiv mit meiner Familie, dem Laufsport und dem funktionellen Training.

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