Die Schattenseiten des Disavow Tools

Die Schattenseiten des Disavow Tools

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Seit Einführung des Disavow Tools hat sich in der Internetgemeinde eine Art Hassliebe zu diesem Linkentfernungs-Tool entwickelt. Während es zunächst als Heilsbringer gefeiert und vermutlich durchaus bereitwillig eingesetzt wurde, ändert sich diese Haltung nun allerdings ein wenig.

Mit den bislang gemachten Erfahrungen und dem wachsenden Respekt vor dem nächsten Penguin-Update steigt auch die Angst vor den Auswirkungen. Ich meine, man sollte nicht vergessen, wem man im Laufe des letzten Jahres diese ganzen Daten zu angeblich schädlichen Links zugespielt hat. Google hat dank des Disavow Tools sicherlich jede Menge Daten von Webmastern bekommen, welche für das neue Penguin Update genutzt werden konnten. Sind zum Beispiel mehrere Links von derselben Seite, aber von unterschiedlichen Quellen „angeschwärzt“ worden? Gibt es Seiten, die überproportional häufig von Webmastern entwertet wurden? Haben die Seiten, welche mit dem Disavow Tool bearbeitet wurden vielleicht andere Gemeinsamkeiten wie dasselbe Impressum, denselben Webmaster oder das gleiche Design? All dies sind Fragen, die ich nur erahnen kann, auf die Google aber ziemlich sicher Milliarden von Antworten geben kann.

Wem hilft das Disavow Tool?

Was mich eigentlich am meisten stört bei dem Disavow Tool, ist die fehlende Transparenz. Niemand weiß so recht, was das Tool bewirkt. Lediglich das Ergebnis kann mehr oder weniger vorausgesagt werden. Ob es am Ende aber hilfreich oder eher schädlich für die eigenen Seiten ist, kann bislang vermutlich nur Google selbst beantworten.

Außerdem stellt sich mir beim gefühlt hundertsten Link-Audit in diesem Jahr ebenfalls die Frage, ob ich meine Zeit nicht besser anlegen könnte. Ist es wirklich wichtiger spammigen Links per Disavow Tool hinterherzujagen oder sollte man sich besser mit der OnPage Optimierung oder der Content Strategie des Kunden befassen? Was ist zum Beispiel mit den Kunden, bei denen hunderte, wenn nicht gar tausende Links entfernt wurden und deren Wiederaufnahmeanträge auch beim dritten oder vierten Mal abgelehnt werden? Befindet man sich vielleicht mit dem Disavow Tool auf der Suche nach dem heiligen Gral oder der Nadel im Heuhaufen? Was ist, wenn man die ganze Zeit einer Optimal-Lösung hinterherläuft, die es vielleicht so gar nicht gibt? Immerhin muss jede Menge Zeit, Geld und Geduld investiert werden, wenn es darum geht, die Links herauszufiltern, die eventuell schädliche Auswirkungen auf die eigene Seite haben könnten.

Was ist der richtige Weg?

Panda wirkt sich auf schlechte Inhalte aus und Penguin auf schlechte Links. So heißt es zumindest immer. – Was ist also, wenn man das optimiert, was man selbst in der Hand hat? Kann eine Seite, die ähnlich aussieht wie die derzeitigen Panda-Lieblinge, einen Pinguin auf Dauer in die Knie zwingen? Immerhin ist so ein Panda doch ein wesentlich größeres Tierchen. Warum scheinen dennoch so viele Webmaster und SEOs ein Tool zu favorisieren, dessen Auswirkungen man nicht (gänzlich) kennt? Machen wir es uns vielleicht einfach alle ein wenig zu einfach?

Meiner Überzeugung nach, und anscheinend auch nach der Meinung einiger anderer SEO-Agenturen versorgt das Disavow Tool nämlich am Ende wieder die schwarzen Schafe, die es eigentlich zu bekämpfen gilt.

Denn wer hilft bei der Bekämpfung der ungeliebten Links denn am meisten? Wer profitiert von dieser einfachen Entfernungsmöglichkeit am ehesten? Genau die Firmen, die erst zu dem Problem beigetragen haben.

Das Ausmaß der Anfragen

Sowohl die Anfragen nach Linkentfernungen als auch die Androhungen, mit dem Disavow Tool „zuzuschlagen“ häufen sich seit Beginn des Jahres beständig. Besser wird es durch die Ankündigung von Penguin 2.0 innerhalb der „nächsten paar Wochen“ vermutlich auch nicht werden. Jeder Webmaster liest etwas, eignet sich mehr oder weniger gefährliches Halbwissen an und legt los. Leider in den meisten Fällen, zumindest meiner Meinung nach, durchaus etwas vorschnell. Immerhin hat Google nie gesagt, ob es auch den Antragsteller vielleicht in ein schlechtes Licht wirft, wenn dieser quasi im vorbeigehen hundert, tausend oder zehntausend Links entfernt haben möchte.

Sofern wir innerhalb der Agentur mit Anfragen von Kunden nach einem Link-Audit gefragt werden, investieren wir Arbeitszeit und Arbeitskräfte in das manuelle Anschreiben der Webmaster. Immer und immer fallen uns dabei dieselben Adressen auf, die wieder und wieder angeschrieben werden müssen und um eine Linkentfernung gebeten werden müssen. Leider sind dies aber auch in vielen Fällen Firmen, die ebenfalls in der Linkentfernung tätig sind.

Entsteht hier also vielleicht über kurz oder lang eine neue Netzwerkstruktur, die Google 2014 aus dem Weg räumen wird?

Warum so pingelig?

Was mich persönlich bei der Nutzung und der ständigen Androhung des Disavow Tools dennoch am meisten stört ist, dass es zwar gerne genutzt und noch öfter angdroht wird, wenn es dann aber um die Tatsächliche Umsetzung geht, schrecken die meisten doch zurück. 90% eines Linkprofils kappen, nur weil man meint, dass darunter ein paar böse Links sind? Das muss doch auch anders gehen. Und ja, diese eine Seite da, die sieht nicht so toll aus und thematisch passend ist sie auch nicht, ABER sie hat doch eine Sichtbarkeit von 200 und der Domain-Pop war doch auch nicht so schlecht. – Die Seite bzw. der Link soll dann aber bitte bestehen bleiben.

Kann das der richtige Weg sein? Vermutlich nicht, aber wie war das noch mit bellenden Hunden? Die meisten Webmaster verhalten sich, wenn es hart auf hart kommt, wie die Frau beim Friseur. „So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich“. Bloß nicht zu viel.

Anstatt sich daher auf das zu konzentrieren, was Google immer vehementer fordert, nämlich gute, teilbare Inhalte zu erstellen, die zum Interagieren einladen, wird nach wie vor Zeit und Geld in die schrittweise Linkentfernung gesteckt. Wieso denn das?

Vermutlich, weil eben niemand die komplette Reichweite des Disavow Tools überblicken kann? Oder die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch ist, dass jeder Webmaster und jeder SEO irgendwo solche Links im Profil hat, die über die Jahre gewachsen sind und nun schlecht sein sollen? Bevor man sich selbst an den Pranger stellt und solche Links entfernt, wartet man doch lieber noch etwas ab. Wer weiß denn schon, ob Google die Branchenverzeichnis-Links, die 1999 gesetzt wurden genauso abstraft wie die von 2013. Und wo liegt denn genau die Grenze zwischen einem natürlich gewachsenen Linkprofil und einem an dem massiv manipuliert wurde? Ich kann dies nicht sagen und wenn es irgendeine SEO-Firma oder irgendein Webmaster behauptet, dann wäre dies für mich eher ein Grund Abstand zu nehmen, anstatt diesen Leuten Vertrauen zu schenken.

Genauso verhält es sich doch mit den Links, die seit den ganzen Updates, natürlich rein organisch, entstehen. Spätestens seit dem ersten Penguin Update sind die ersten auf die Idee gekommen, dass vermutlich nichts mehr organisch an einem Profil ist, das pro Monat beständig um genau 23,74 Links wächst. Vor allem nicht, wenn jede Seite eine Sistrix-Sichtbarkeit von 21,75 aufweisen muss und der Domain-Pop natürlich auch nicht vernachlässigt werden darf. Sollte man hier nicht direkt mit der Läuterung und einfach damit beginnen, die Fehler aus der Vergangenheit nicht direkt wieder zu kopieren? Anscheinend nicht. Denn die Angebote von SEO-Firmen, die ich zu einer meiner privaten Seiten bekomme, gehen gerne in diese Richtung. Da werden mir zehn Links pro Monat zum Pauschalbetrag XY zugesagt. Platz eins in Google natürlich sowieso. – Ach ja, die Kündigungsfrist liegt bei drei Monaten, aber das ist „marktüblich“. Irgendwo.

SEO ist keine Wissenschaft

Das „schlimme“ an SEO ist, dass man sowohl Agentur als auch Consultant niemals definitive Aussagen treffen kann. Google hält die Rankingkriterien unter Verschluss und daher vermag es zumindest kein seriöser SEO zu sagen, ob man mit der Methode XY den Platz ganz oben auf dem Treppchen bekommt. Erfolg über Nacht versprechen nur die „anderen“. Eben die schwarzen Schafe, die mit der offensichtlichen Linkmanipulation quasi über Nacht große Erfolge feiern können. Allerdings nur so lange, bis es jemandem auffällt und die Platzierungen genauso schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen sind.

Ich denke daher ist es langsam aber sicher an der Zeit, dass sich etwas ändert. Wieso macht man sich noch so viele Gedanken um eine Handvoll Links. Immerhin IST man doch schon abgestraft worden. Warum setzt man also nicht direkt auf einen Neustart, anstatt so viel Zeit mit der Entfernung von zehn Links hier und zwölf Links dort zu vergeuden. Nach dem Penguin Update ist schließlich vor dem Panda Update oder so ähnlich. Wieso also nicht genau das machen, was Google möchte. Inhalte erstellen, die interessant sind und gelesen werden. Meistens allerdings von Menschen, die garantiert nicht aus irgendeinem Verzeichnis auf die Seite gestoßen sind.

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Über den Autor

Wer schreibt eigentlich hier? Mein Name ist Helen Schrader, Diplom-Geographin und ambitionierte Bloggerin in den Bereichen SEO und Online Marketing. Schwerpunktmäßig beschäftige ich mich mit E-Commerce, Social Media, internetgestützter Markt- und Meinungsforschung sowie kollaborativen Internetumgebungen.

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1 Kommentar

Stefan 12. November 2013 um 10:46

Ich habe sogar eine Nachricht von einem großen deutschen Reiseportal aus München bekommen.

Dort wurde mir nahegelegt einen „natürlich gesetzen Link“ von mir zu entfernen. Andernfalls wird mein Artikel mit dem Disavow-Tool gemeldet.

Eine Frechheit

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