Die schwierige Situation mit den Bildern. Ein Interview mit Dennis Tölle (Recht am Bild GbR)

Die schwierige Situation mit den Bildern. Ein Interview mit Dennis Tölle (Recht am Bild GbR)

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Pünktlich zu den Osterfeiertagen haben wir uns für die schwierige Situation der Bildrechte einen Experten in den Blog geholt. Ganz im Sinne nachbarschaftlicher Hilfe habe ich mich an Dennis Tölle, den Chefredakteur und Gründer des Magazins www.rechtambild.de, für eine Interviewanfrage gewendet. Der Jurist aus Bonn stand umgehend für ein Interview zur Verfügung, welches ich Ihnen nicht vorenthalten will. Natürlich konnten wir innerhalb eines Interviews nicht alle Fragen klären, die es zum Thema Bildrechte leider immer wieder gibt. Aber ich denke, dass wir Ihnen hier die wichtigsten Antworten und Empfehlungen zum Recht am Bild liefern können. Sollten Sie noch Fragen haben oder wenn wir Ihr Interesse zu Bilderrechten geweckt haben, können Sie sich entweder in den Kommentaren an uns wenden oder Sie kontaktieren direkt Herrn Tölle.

Ansonsten möchte ich aber noch darauf hinweisen, dass in diesem Bericht von SEOPT und Herrn Tölle zwar rechtliche Informationen zu einem breiten Themenspektrum geboten werden, diese jedoch ausdrücklich keine anwaltliche Beratung bei Rechtsstreitigkeiten ersetzen.

SEOPT: Sehr geehrter Herr Tölle, erst einmal vielen Dank, dass Sie die Zeit für ein Interview gefunden haben. Momentan ist das Thema Bildrechte sehr aktuell und da wir immer wieder mit Fragen zum Thema konfrontiert werden, wollten wir diese nun einmal an einen Experten weitergeben.

Dennis Tölle, RECHT am BILD: Vielen Dank!

SEOPT: Fangen wir direkt einmal mit einer Frage an, die mich seit dem Meteor, der über Russland niedergegangen ist beschäftigt hat. Aktueller kann man aber auch den Hype um die Harlem Shake Videos heranziehen. Ich habe nämlich direkt eine Frage zu YouTube.

Kann ich Videos von YouTube in Blogs oder auf der eigenen Homepage einfach so benutzen oder gibt es Verhaltensregeln, die ich beachten muss?

Dennis Tölle, RECHT am BILD: Ob YouTube-Videos „eingebettet“ werden dürfen, ist eine umstrittene Frage und lässt sich leider nicht klar und einfach beantworten. Das ist bisher noch von keinem deutschen Gericht endgültig entschieden worden. Grundsätzlich ist dies unproblematisch, wenn derjenige, der das Video bei YouTube hochgeladen hat, damit einverstanden ist und keine Rechte anderer Personen und Unternehmen verletzt werden. Dies weiß derjenige, der Videos einbindet, in der Regel jedoch nicht. Auf die Auffassung, dass derjenige, der Videos hochlädt, ein Interesse an einer möglichst weiten Verbreitung hat, sollte man sich jedoch nicht verlassen. Insofern sollte man insbesondere bei Videos, die möglicherweise Persönlichkeitsrechte anderer Personen verletzen könnten, zurückhaltend sein. Darüber hinaus muss man die Nutzungsbedingungen von YouTube im Auge behalten. So heißt es beispielsweise in 6.1 E i) der Bedingungen, dass man den YouTube-Player nicht auf Seiten einbinden darf, deren vorrangiger Zweck es ist, Werbeeinnahmen o.ä. zu erzielen. Umfangreiche Ausführungen zu dem Thema gibt es bei Recht am Bild.

SEOPT: In Ordnung, kommen wir zum eigentlichen Thema zurück: Wie ordnen Sie das Screenshotten von Webseiten ein? Ich habe zum Beispiel vor kurzem auf Google gelesen, dass man zwar Screenshots von Google Seiten machen, man diese aber nicht zur persönlichen Werbung nutzen darf. (Nach dem Motto: Schaut mal her, wer die ersten drei Treffer in Google inne hat“)
Wie sieht das auf anderen Seiten aus? Darf ich zum Beispiel einen Screenshot von Facebook-Kommentaren machen, die jeweiligen Verfasser unkenntlich machen (aus Persönlichkeitsgründen) und dann dieses „Bild“ (natürlich unter Nennung Quelle: Facebook.de/deeplink) verwenden? Oder raten Sie von so etwas ab? Wenn ja, warum?

Dennis Tölle, RECHT am BILD: Grundsätzlich stellt ein Screenshot von geschützten Werken (Bilder, Texte etc.) auch eine zustimmungspflichtige Vervielfältigung dar. Insofern muss man auch hier fragen, ob derjenige, der das Werk eingestellt hat, bereits damit die Einwilligung zur Weiterverbreitung in Form eines Screenshots zugestimmt hat. Dies wird regelmäßig nicht der Fall sein. Auch dazu ein Link zu einer ausführlichen Schilderung: http://www.rechtambild.de/2011/03/der-schutz-von-screenshots-und-benutzeroberflachen/

SEOPT: Zu unseren Kunden zählen viele Internet-Shops, die aufgrund der Bildrechte-Problematik sehr oft ihre eigenen Bilder (mit professionellen Fotografen) erstellen und diese im Shopsystem hochladen. Was empfehlen Sie, wie sollten diese Kunden verfahren, wenn sie „ihre“ Bilder auf anderen Seiten entdecken?

Dennis Tölle, RECHT am BILD: Das Gesetz sieht hierfür als ersten Schritt die sog. Abmahnung vor. Mithilfe dieser kann zur Abgabe einer Unterlassungserklärung aufgefordert werden und ggf. auch die entstandenen Kosten zurück verlangt werden. Dies führt jedoch häufig zu Streitigkeiten, weshalb es nicht schaden kann, im Vorhinein den Verletzer anzusprechen und ihn auf sein Fehlverhalten hinzuweisen und um Unterlassung zu bitten. Führt dies nicht zum Erfolg, kann immer noch abgemahnt werden.

SEOPT: Viele Hersteller schicken den Internetshops direkt Bilddateien der Produkte für den Shop. Oftmals bekommen die Shopbetreiber aber kein schriftliches Nutzungsrecht. Zumindest nicht ohne Nachfrage. – Dürfen die Shopbetreiber ein Nutzungsrecht voraussetzen, wenn sie die Bilder von den Herstellern geschickt bekommen oder sollten sie eine schriftliche Bestätigung verlangen?

Dennis Tölle, RECHT am BILD: Grundsätzlich reicht es aus, wenn z. B. aus dem Emailverkehr mit dem Hersteller ersichtlich wird, wofür die Bilder genutzt werden sollen. Werden diese für ein bestimmtes Projekt angefordert und zur Verfügung gestellt, sollte eine Nutzung darüber hinaus jedoch abgesprochen werden. Zwar sind auch mündliche Vereinbarungen zulässig, jedoch lässt sich eine solche im Nachhinein nur schlecht beweisen.

SEOPT: Und wie sieht es mit der weiteren Nutzung dieser Bilder in sozialen Netzwerken aus? Gilt auch hier ein Nutzungsrecht? Oder muss es separat mit den Herstellern abgesprochen werden?

Dennis Tölle, RECHT am BILD: Wie oben kurz erwähnt, sollte eine über den eigentlichen Zweck hinausgehende Nutzung immer abgesprochen werden, um sich nicht der Gefahr auszusetzen, einen Lizenzverstoß zu begehen.

SEOPT: Es gibt sehr viele Seiten, auf denen man lizenzfreie Bilder erwerben kann. Oftmals gibt es dort Unterscheidungen zwischen redaktioneller und kommerzieller Nutzung. Aber ich persönlich finde, dass gerade im Internet diese „Grenzen“ durchaus fließend ineinander übergehen. Wo würden Sie die Grenze bei kommerzieller und redaktioneller Nutzung ziehen?

Dennis Tölle, RECHT am BILD: Tatsächlich ist diese Grenze nur schwer zu ziehen. Eine kommerzielle Nutzung wird jedoch von den Gerichten häufig bereits angenommen, wenn auf der Website kostenpflichtiger Werbung geschaltet wird. Hinsichtlich der redaktionellen Nutzung kann man diese jedenfalls dann annehmen, wenn das Bild im Zusammenhang mit redigierten Texten steht.

SEOPT: Die Abmahnung bei Facebook aufgrund eines Vorschaubildes fällt ja ebenfalls in dieses Gebiet. Posts auf Facebook mit einem Bild werden eher gelesen als solche ohne Bild. Wie ist es, wenn man auf einer dieser lizenzfreien Bilderseiten (z.B. pixelio.de, fotolia.de, panthermedia.de, istock.de usw.) ein Bild im Blog oder auf der Homepage verwendet und dieses nun in Facebook postet. Wie hoch schätzen Sie in diesem Fall eine Abhamngefahr ein? Oder ist durch die Bereitstellung der Fotos auf einer lizenzfreien Seite schon jeglicher Anspruch an Abfindungen abgegolten?

Dennis Tölle, RECHT am BILD: Grundsätzlich muss ich dazu erläutern, dass es sog. lizenzfreie Bilder streng genommen nicht gibt. Der Unterschied zu nicht lizenzfreien Bildern besteht lediglich darin, dass kein Entgelt fällig wird und in der Regel nur geringe Nutzungsbeschränkungen bestehen. Insofern gibt es sehr wohl eine Lizenz, jedoch mit umfassenden Nutzungsmöglichkeiten.
Ob eine Nutzung solcher Bilder als Vorschaubild bei Facebook zulässig ist, kommt demnach darauf an, ob dies von der Nutzungserlaubnis umfasst ist oder nicht. In jedem Fall muss jedoch der Urheber und die Quelle des Bildes genannt werden. Davon wird man auch bei „lizenzfreien“ Bildern nicht freigestellt.

SEOPT: Google (und Bing) Bildersuche. Was glauben Sie? Verstößt die neue Bildersuche gegen das Urheberrecht oder nicht? Und was würden Sie den Bildkünstlern empfehlen? Nur noch Thumbnails anbieten? Wasserzeichen oder gar ein „Versteckspiel“ durch robots.txt?

Dennis Tölle, RECHT am BILD: Nach der Rechtsprechung des BGH zur „alten“ Bildersuche ist diese zumindest nicht rechtswidrig. Überträgt man die Rechtsgedanken auf die neue Version, ist auch diese rechtmäßig. Eine gerichtliche Entscheidung dazu steht jedoch noch aus. Ich persönlich glaube jedoch, dass zumindest die Instanzgerichte die neue Bildersuche weiterhin als rechtmäßig einstufen werden.
Ein Versteckspiel durch eine robots.txt führt zwar dazu, dass die Bilder nicht mehr durch Google genutzt werden, helfen dem Künstler jedoch in der Regel nicht, seinen Bekanntheitsgrad zu steigern. Thumbnails halte ich dabei für wirkungsvoller. Auch ein Wasserzeichen kann nicht schaden, solange es das Bild nicht völlig entstellt, denn auch dann ist der Werbeeffekt gleich null.

SEOPT: Da ich es in letzter Zeit immer öfter sehe: Inwieweit ist das Einscannen und online Stellen von Zeitungsartikeln erlaubt? Gerade die sozialen Netzwerke wie Facebook und Tumblr animieren zum Teilen von Bildern und Photos. Vermehrt stelle ich fest, dass es sich hierbei um gescannte Berichte aus Zeitungen und Magazinen handelt. Ist so etwas erlaubt oder muss man hierbei mit Strafen und Abmahnungen rechnen? Gibt es womöglich Unterschiede zwischen Tageszeitungen und (Mode-)Magazinen?

Dennis Tölle, RECHT am BILD: Auch das Einscannen und Verbreiten von „analogen“ Werken stellt eine einwilligungspflichtige Handlung dar. Insofern kommt eine zustimmungsfreie Verbreitung nur im privaten Rahmen (≠ Facebook-Gruppe!) oder z.B. im Rahmen eines Pressespiegels oder eines Zitats in Frage.

SEOPT: An der vorherigen Frage aufbauend: Wie sieht es denn generell mit eingescannten Bildern aus? Ich muss hier zum Beispiel an DVD oder Buch-Cover auf Tauschbörsen oder in Foren denken. Muss man auch bei solchen Bildern mit Abmahnungen rechnen?

Dennis Tölle, RECHT am BILD: Hier gilt das oben Gesagte. Bilder, die nicht zum alleinig privaten Gebrauch vervielfältigt oder öffentlich zugänglich gemacht werden, bedürfen der Einwilligung des Rechteinhabers. Geschieht dies nicht, besteht die berechtigte Gefahr, dass der Rechteinhaber seine Rechte z. B. in Form der Abmahnung geltend macht.

SEOPT: Als vorletztes würde ich doch noch einmal gerne eine Frage zu YouTube beantwortet bekommen. Gibt es irgendwelche Besonderheiten, die ich beachten muss, wenn ich eigene Videos erstelle und diese sowohl auf meiner Seite als auch bei YouTube hochlade?

Dennis Tölle, RECHT am BILD: Grundsätzlich sollte man sowohl bei Videos als auch bei Bildern darauf achten, dass der Veröffentlichung keine Rechte Dritter entgegenstehen. Dies kann z. B. der Fall sein, wenn Personen abgebildet werden. Sind diese mit einer Veröffentlichung nicht einverstanden, so darf sie auch nur in ganz wenigen Ausnahmefällen trotzdem geschehen.

SEOPT: Kommen wir zu meiner letzten Frage. Wie sollte man sich im Falle einer Abmahnung verhalten? Welches Vorgehen empfehlen Sie, wenn es tatsächlich zu einer schriftlichen Abmahnung kommt?

Dennis Tölle, RECHT am BILD: Um sich im Falle einer Abmahnung korrekt verhalten zu können, sollte man sich Rat vom Spezialisten holen. In vielen Fällen ist die vorformulierte Unterlassungserklärung zu deren Abgabe man aufgefordert wird, zu den eigenen Ungunsten formuliert. Darüber hinaus lässt sich häufig auch die geforderte Schadensersatzsumme erheblich reduzieren oder gänzlich abwehren. In der Regel löst ein erstes Telefonat mit einem Anwalt zur Einschätzung der Risiken keine Kosten aus, sodass man umgehend nach Erhalt der Abmahnung das Gespräch suchen sollte.

SEOPT: Sehr geehrter Herr Tölle, ich bedanke mich vielmals für dieses interessante Gespräch und die interessanten Einblicke zum Thema Recht am Bild.

REcht am BildZur Person Dennis Tölle: Dennis Tölle ist Jurist und derzeit Rechtsreferendar am Landgericht Köln. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt im Bereich “Wirtschaft & Wettbewerb” und durch sein privates Interesse an der Fotografie hat er sich besonders dem Urheber- und Fotorecht zugewandt. Aus der gleichen Motivation heraus gründete er gemeinsam mit seinem Kollegen Wagenknecht im Jahr 2010 das Magazin www.rechtambild.de. Neben einigen Veröffentlichungen in einschlägigen Fachzeitschriften folgte im Jahr 2012 die erste Buchveröffentlichung zum Thema „Recht am Bild“.

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Über den Autor

Wer schreibt eigentlich hier? Mein Name ist Helen Schrader, Diplom-Geographin und ambitionierte Bloggerin in den Bereichen SEO und Online Marketing. Schwerpunktmäßig beschäftige ich mich mit E-Commerce, Social Media, internetgestützter Markt- und Meinungsforschung sowie kollaborativen Internetumgebungen.

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