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Das Google Phantom II Update – oder doch nicht?!

Letztens habe ich einen interessanten Bericht gelesen, der sich mit der Fluktuation in den Suchergebnissen der letzten Tage und Wochen beschäftigte. In dem Bericht „Phantom 2 – Analyzing The Google Update That Started On April 29, 2015“ geht Glenn Gabe von GSQI diesen Schwankungen ein wenig auf den Grund.

Wie schon vor ziemlich genau zwei Jahren (8. Mai 2013) gibt es auch dieses Mal wieder – nach seiner Meinung – signifikante Schwankungen in den Rankings bei Google. Wie vor zwei Jahren gibt es aber auch dieses Mal keine Meldung von Google, dass es ein Update war, welches zu diesen Schwankungen geführt hat.

Allerdings bin ich nun schon etwas länger im Bereich der Suchmaschinenoptimierung und weiß daher natürlich auch, was kurze Zeit nach diesem, von Gabe selbst als Phantom I Update bezeichneten Schwankungen kam: Penguin 2.0.

Welchen Ursprung könnte dieses Google Update haben, das es offiziell nicht gibt?

Gabe spekuliert in seinem sehr interessanten Artikel über die verschiedensten Ursachen, die für diese Schwankungen verantwortlich sein könnten. Von den üblichen Verdächtigen Panda und Penguin bis hin zum mobile-friendly Update. In liebevoller Kleinarbeit beschäftigt er sich in dem wirklich beeindruckenden Artikel mit Backlinkprofilen, Popups, schlechten bis gar keinen Inhalten und sogar dem Knowledge Graph. Auch Nutzerinteraktionen, Usability und Design sowie die Seitenindexierung werden von ihm anhand vieler Beispiele und Rechercheergebnisse ausgewertet. Das Ergebnis seiner wahnsinnigen Arbeit ist am Ende vor allem eins nach eigener Aussage: „inconclusive“, also nicht eindeutig.

Zumindest bei mir hat der Artikel aber dazu geführt mich mehr mit den Schwankungen der letzten Tage zu beschäftigen, was vor allem dazu führte, dass ich mir die Daten von Sistrix und den verschiedenen Google Diensten einmal angeschaut habe. Und dabei ist mir dann tatsächlich etwas aufgefallen, was Glenn Gabe so gar nicht in seinem Artikel erwähnte, was aber spätestens seit Ende 2014 immer wieder als Zukunft des SEO aufkommt: Branding.

Brand Building im SEO – Bin ich eine Marke im Netz?

Bereits Ende 2014 erschien ein ebenfalls recht spannender Artikel von Olaf Kopp zum Thema „Branding & das neue Google Ranking: Warum SEO nicht mehr reicht…“ und nur kurze Zeit später gab es einen zum Suchverhalten von Fans einer Marke auf Moz: „Music SEO – 7 Lessons in Brand Optimization for 2015„.

Wieso es immer wichtiger wird eine „Marke“ oder „Brand“ im Netz zu sein, hängt für mich an mehreren Faktoren, die ich zunächst näher erklären will, bevor ich sage, warum ich sage, dass das Phantom II Update für mich eher ein inoffizielles „Brand“ Update als ein geheimes Panda oder Pinguin Update ist.

Sage mir wer du bist und ich sage dir ob du eine Marke bist

Vor meinem Lauf heute Morgen habe ich mir die Zeit mit dem anschauen von Trailern etwas vertrieben. Und wie es der Teufel so will, gibt es ja endlich mal wieder einen Neuaufguss von einem alten Klassiker im Kino.

Und siehe da, durch meine spezifische Suche nach der Marke bzw. der Brand (die ich als Mad Max bezeichne), hatte ich mit einem Klick den neuen Trailer zu Mad Max: Fury Road. Neben den Treffern für das spezifische Produkt (der neue Mad Max Film Fury Road) wurden mir zudem noch die Treffer der anderen wichtigen Produkte meiner Marke angezeigt.

Wenn ich meine Suche nun also noch weiter einenge nun nach dem Produkt „meiner Marke“ suche („Fury Road“), verschwindet diese Redundanz und ich bekomme nur noch die verschiedenen Unterkategorien meines Produktes angezeigt: Alles, was mit Dem Film Fury Road aus der Mad Max Reihe zu tun hat.

Ganz anders sieht es aber aus, wenn ich die Suche ohne Marke oder Brand gestartet hätte. Dann wären die Suchergebnisse für mich weitaus weniger interessant und spannend gewesen und nur mit viel Mühe hätte ich das gefunden, was ich mir anschauen wollte.

Je spezifischer ich meine Suche gestalte und je genauer ich bei der Eingabe meiner Suchbegriffe bin, desto eher komme ich an das Ziel. Ein Umstand, der eigentlich jedem Online-Strategen bewusst sein sollte, wenn es darum geht Umsätze mit den eigenen Keywords zu generieren. Eine Platzierung mit so generischen Keywords wie „Schuhe“ oder „T-Shirt“ dürfte heutzutage wohl weitaus weniger Spaß auf den vorderen Plätzen machen als noch vor ein paar Jahren. Denn wonach suchen die Personen denn, wenn sie Schuhe oder T-Shirt eingeben? Nach einem Produkt zum Kauf? Nach einer Idee für neue Schnittmuster? Nach einer Waschanleitung? Nach einer Auflistung der Größen?

Mache ich es mir also etwas einfacher und sage wenigstens, dass ich auf der Suche nach Herrenschuhen bin. Vielleicht hilft das ja schon ein wenig die Suche einzuschränken:

Wie man sieht, hat es etwas geholfen. Denn seit Jahren wird die Suche nun immer breiter und dennoch immer kleinteiliger, da natürlich auch die Nutzer (sehr) langsam aber dennoch aus ihren Misserfolgen lernen und bei einer zu redundanten Suche beim nächsten Mal etwas genauer und beim nächsten Mal noch genauer werden. Das Ganze nennt sich dann Longtail und funktioniert hervorragend mit Marken bzw. Brands.

Bei diesem Suchergebnis wäre nun zumindest meine Frau schon einmal glücklich. Ich weiß nun zumindest schon einmal, dass es bei Zalando anscheinend jede Menge Schuhe gibt, was mich als Mann nun vor die Qual der Wahl stellt. Klicke ich einen der beiden Treffer aus meiner Brandsuche oder werde ich noch einen Schritt spezifischer in meiner Suchanfrage. Beispielsweise durch den Hinweis an Google, dass hier tatsächlich ein Mann nach Schuhen sucht. Testen wir es doch einmal.

Wahnsinn. Es werden nur noch Ergebnisse angezeigt, die ich vermutlich eher klicken würde als „Schuhe mit Rollen“ oder „Schuhe weiten“.

Warum ich denke, dass Phantom II ein Brand Update ist

Wie mir mein kleiner Test gezeigt hat, scheint es fast so als wäre Zalando ein Brand, wenn es um Schuhe geht. Durch die Eingabe der Brand ist meine Suche genauer geworden und hat mich am Ende zu dem gebracht, was ich doch eigentlich haben wollte: neue Nike Sportschuhe.

Wenn man sich nun mit diesem Gedanken im Hinterkopf einmal die Sistrix Ergebnisse anschaut, sieht man, dass Zalando laut Sistrix mit 186 Keywords, welche den Begriff „Herrenschuhe“ beinhalten irgendwo in den Suchergebnissen (meistens ganz vorne) gelistet ist. Man könnte also meinen, dass Zalando ein Brand im Internet ist, die einem bei der Suche nach Herrenschuhen behilflich sein kann.

Wenn ich mir nun anschaue, wie sich das Ranking bei Sistrix im Vergleich zur Vorwoche verändert hat, sehe ich dies hier:

Eine Veränderung um fast 3%-Punkte im Vergleich zur Vorwoche und generell eine positive Entwicklung. Sicherlich eine Entwicklung, die es für Zalando auch in der Vergangenheit schon das ein oder andere Mal gab. Was mich aber aufhorchen ließ, waren ganz andere Zahlen, die mir bei meiner Suche nach dem Phantom noch begegneten und die mich zu der Überzeugung brachten, dass Google momentan ein wenig an der Brand-Schraube dreht. Denn man schaue sich einmal an, was Zalando.at in derselben Woche für ein Wachstum hatte:

Obwohl hier die SEO-Keywords etwas schwächelten, ging es auch für Zalando.at um fast dieselbe Anzahl an Prozenten nach oben. Ein Umstand, den ich anschließend noch bei einigen anderen Online-Shops testete und der fast immer dieselben Ergebnisse zu Tage brachte: Internationale Marken sind um fast dieselben Prozentwerte in vielen Ländern gestiegen! Auch Zalando.ch profitierte nebenbei von etwas mehr als 2% Wachstum gegenüber der Vorwoche:

Auch andere bekannte und vor allem international auftretende Marken stiegen in verschiedenen Ländern um ähnliche Prozentwerte und konnten vor allem bei vielen Money-Keywords in die Top 10 vorstoßen, obwohl sie vorher noch keine großartigen Platzierungen hatten und in vielen Fällen noch nicht mal in den Top 20 waren.

Phantom II und die Macht einer Marke

In gewisser Weise sind meine Beobachtungen sogar mit den Erkenntnissen von Gable kompatibel. Immerhin sollten große Brands in der Regel solche Fehler nicht machen, wie die von Gable angesprochenen Seiten mit hohen Verlusten in den letzten Wochen. Dass eine Seite wie Zalando Texte kopiert oder viele Links (absichtlich) in minderwertigen Verzeichnissen aufbaut, sollte bezweifelt werden. Dass aber eben solche, ohnehin schon anfälligen Seiten keine bekannten oder weniger bekannten Marken sind, dürfte dafür aber wohl umso mehr angenommen werden.

Dass (online) Brands und (online) Markenbekanntheit nun wohl mehr oder weniger von Google beachtet werden, deckt sich für mich mit dem topaktuellen Bericht von Jonas Weber, der in seinen Eindrücken von der SMX Sydney folgendes über die Aussagen von Gary Illyes berichtete:

Wir haben einiges am Core Algo verändert, Dinge die geheim sind und die wir nicht kommunizieren.
Das hat aber nichts mit dem Mobile Update zu tun.

Ist es also soweit, dass Google den Seiten einen Vorteil einräumt, die es im Internet zu einer Marke geschafft haben und somit wohl auch automatisch häufiger in Verbindung mit ebendieser Marke als Synonym für (gute) Schuhe, T-Shirts oder Jeans gesucht werden?
Natürlich kann auch ich meinen Artikel nur mit einem „inconclusive“ abschließen, aber mich interessieren eure Meinungen zu dem Thema. Also, was sagt ihr? Brand-Update, Google Panda oder Penguin oder vielleicht doch nur ein kleiner Sturm beim SEO Wetter, oder gar gänzlich was neues?