Das nächste Penguin Update – was macht Google?

Das nächste Penguin Update – was macht Google?

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Ich sollte vielleicht direkt erwähnen, dass ich mich bei diesem Artikel zu einem nicht unerheblichen Maß an dem Bericht von Searchenginewatch orientiere, der am Wochenende veröffentlicht worden ist. Immerhin wurde der Artikel ziemlich schnell von einem Mann geteilt, der mittlerweile wohl jedem in der Internetbranche bekannt sein sollte: Matt Cutts.

Schauen wir uns also einmal genauer an, um was es in diesem sehr interessanten Blogbeitrag ging, der so viel Aufmerksamkeit erlangen konnte, dass er sogar von Matt Cutts – und natürlich mir – einen retweet bekam.

Google und Suchmaschinenoptimierung

Das große Problem der Suchmaschinenoptimierung liegt sicherlich darin, dass sie für den Laien nur schwer fassbar ist. Es gibt jede Menge Parameter, Algorithmen und Fingerspitzengefühl aber keine 100%-igen Regeln und Formeln. Zumindest noch keine, die mir untergekommen sind. SEO ist keine Wissenschaft. Mal lässt sich ein Text ohne Linkaufbau in den Suchergebnissen platzieren und mal scheitert dieses Vorhaben schon im Ansatz. Genauso sieht es bei dem Linkaufbau selbst aus. Mal schafft man es, eine thematisch schlechte Seite durch reinen Linkaufbau in den Suchergebnissen zu platzieren und beim nächsten Mal eben nicht.

Als SEO kann man sich hauptsächlich auf Erfahrungen, Berichte und Beobachtungen verlassen. – Entweder die eigenen oder die von anderen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass eines der vielen SEO-Bücher oder irgendein SEO (der nicht bei Google arbeitet bzw. dies getan hat) am Markt die gesamten Kriterien kennt und versteht, die Google für den Algorithmus anwendet, halte ich doch für sehr unwahrscheinlich.

Gemeinhin spricht man von etwa 200 verschiedenen Kriterien, welche für die Platzierungen in den Suchergebnissen verantwortlich sind. Bekannt bzw. öffentlich von Google bestätigt sind vermutlich noch nicht einmal ein Dutzend. – Zumindest von denen ich weiß.

Überschriften und Aussagen

Aufgrund der oben genannten Punkte finde ich es immer recht zweischneidig, wenn ich Texte lese, die Überschriften haben wie: „Wie muss Linkaufbau 2013 aussehen“, „Wie funktioniert Linkbuilding 2013“, „Was Google 2013 für Sie ändert“ oder eben ähnliche Headlines, die vermuten lassen, dass jemand weiß, was Google als nächstes plant. In den meisten Fällen werden solche Überschriften genutzt, um den Klick auf die Headline zu bekommen. Immerhin muss ein Artikel erst einmal gelesen werden, um Aufmerksamkeit zu erreichen. In anderen Fällen dient so eine Überschrift allerdings nur dazu, den später folgenden Vermutungen eine Behauptung vorzusetzen, die Wissen suggerieren soll. Immerhin stellt man ja am Anfang die Behauptung auf, dass man wisse, was Google plant.

Daher war ich zunächst gespannt auf den Artikel von Searchenginewatch mit dem Titel „Penguin 2.0 Forewarning: The Google Perspective on Links“. Immerhin gibt es schlechter informierte Seiten als diese im Internet und angenehm zu lesen sind die Beiträge allemal. Gesagt getan: was ist nun nach Google ein unnatürliches Linkprofil?

Penguin und das Problem der schlechten Links

Seit knapp einem Jahr lässt Google die Muskeln spielen und räumt schrittweise den Suchalgorithmus auf. Immerhin werden durch die Verbesserungen des Algorithmus all die Einflüsse ausgeschaltet, die Google als schädlich für die Suchergebnisse ansieht. Durch das erste größere und vor allem publik gemachte Penguin Update konnten bereits die größten Negativeinflüsse beseitigt und abgestraft werden. Was bei dem für 2013 angekündigten nächsten Update nun folgen wird, kann zwar nur vermutet werden, wird aber sicherlich wie das erste Update „einschlagen wie eine Bombe“.

Warum SEO nämlich doch ein bisschen Wissenschaft ist

Wie eingangs erwähnt, kann man Suchmaschinenoptimierung nicht als reine Wissenschaft bezeichnen. Man kann, zumindest meiner Auffassung nach, die Platzierungen aufgrund der „geheimen“ Rankingfaktoren nicht mathematisch berechnen, sondern nur Annäherungsweise vermuten. Viel wichtiger ist es, den Markt zu beobachten und durchaus auch einmal zwischen den Zeilen zu lesen. Immerhin hat Google Anfang März einen Auszug aus den eigenen Guidelines veröffentlicht. – Allerdings war dieser Bericht, wie unter anderem von uns berichtet, auffallend gekürzt. Eine vorher im Internet kursierende PDF war um einiges länger und schon bei dieser fehlten Ausschnitte zu dem (vermeintlich) kompletten Paper von knapp 120 Seiten Länge.

Laut diesen Guidelines und einhergehend mit dem Bericht auf Searchenginewatch werden die Maßstäbe des Algorithmus nun wissenschaftlicher. Ein Link soll nicht nur organisch entstehen, sondern auch zweckdienlich sein. Dies bedeutet, dass ein Link in erster Linie eine Quellenangabe sein soll, welche die viel gescholtenen Mehrwerte produziert.

Zitierweise

In einer wissenschaftlichen Arbeit dienen Links bzw. Zitate, wie sicherlich alle Leser wissen, nicht nur der Quellenangabe, sondern auch der Hervorhebung weiterführender Informationen, die für den Leser interessant sind bzw. sein sollten (und es sei mir verziehen, dass ich der Einfachheit halber einen Screenshot meiner Arbeit genommen habe, die thematisch jetzt vielleicht nicht so ganz passt, aber dank Fußnoten, Literaturverzeichnis und Zitaten einen Einblick in die wissenschaftliche Arbeitsweise geben sollte).

Wie von Matt Cutts bereits in einem vorherigen Interview mit Searchenginewatch erwähnt, wird diese zitierweise gerne im Internet vernachlässigt: „people get focused on the wrong things“ (so viel also zu einem zweckdienlichen Verweis auf eine Originalquelle). Des Weiteren wurde im Interview gesagt, dass es am besten sei, die eigene Reputation im Auge zu behalten. Mit Hilfe der richtigen Aktivitäten sei es dann nur eine Frage der Zeit, bis Google diese Signale erkennt und bevorzugt behandelt.

Was Google demnach nicht bevorzugt behandelt

Infografiken sind als Linkbait sehr beliebt und werden gerne einmal für eigene oder externe Seiten hergestellt. Leider dreht sich mir als (ehemaliger) Marktforscherin bei den meisten aber direkt der Magen um. Statistiken werden falsch aufbereitet (Korrelationsanalysen benötigen so etwas wie eine Signifikanz und Nullhypothese, um etwas aussagen zu können), falsch gedeutet (Zahlen, welche die stationäre Facebook Nutzung erfassen, können keinen Rückschluss auf die mobile Nutzung geben und schon gar nicht dazu führen, dass man Aussagen wie: „Die Facebook Nutzung ist rückgängig“ aufstellen sollte) oder erst gar nicht genutzt.

Wenn hierzu noch grafische Schwächen (man kann nicht jede Thematik in einem Balkendiagramm darstellen) oder Rechtschreibfehler kommen (geht ja schließlich um die InfoGRAFIK), dann bleibt der Mehrwert für gewöhnlich auf der Strecke. – Und nein, ich will hiermit nicht sagen, dass alle Infografiken schlecht sind! Viel mehr will ich sagen, dass man die überproportionale Verwendung von „schlechten“ Infografiken überdenken sollte. Vor allem, wenn es sich um schlecht aufbereitete Grafiken thematisch nicht passender Seiten handelt. Spätestens DANN sollte über den (Mehr-)Wert dieser Links und Informationsgrafiken nachgedacht werden.

Und siehe da, der Artikel aus Searchenginewatch teilt hier meine Meinung. Erwähnen möchte ich aber besonders den letzten Satz aus dem Artikel, der mir bei meinen ganzen Magenschmerzen noch gar nicht so bewusst war. Hier geht man nämlich darauf ein, dass Seiten, welche auf eine Infografik verlinken, dies gedankenlos tun. Dies hat zur Folge, dass der Link zwar gesetzt wird, um die Grafik verwenden zu können, es bleibt aber die Frage, inwieweit der Linkgeber auch die Meinung der Seite teilt bzw. gutheißt.

Ankertexte in Gastbeiträgen sind ebenfalls eine Überlegung, die im Artikel aufgegriffen werden. Auch hier sollte man sich die Notwendigkeit der Verlinkung innerhalb des Ankertextes überlegen. Das Beispiel, welches Eric Enge aufgreift, finde ich ebenfalls wieder sehr passend: Wenn man in einer großen Tageszeitung einen Gastbeitrag veröffentlichen würde, welche Art von Verlinkung würde diese wohl erlauben?

Vermutlich nicht solche zu irgendwelchen Money-Keywords. Gerade Beiträge von Gastautoren sollten daher höheren redaktionellen Stellenwert genießen. Seiten, welche Gastautoren zulassen und nicht auf die Qualität der Texte achten bzw. einen hohen Anteil von Ankertext-Links zulassen, können sich daher auf das nächste Penguin Update gefasst machen. – Zumindest wenn die Aussagen der beiden Artikel zutreffen werden.

Fragen, die sicherlich nie schaden können

Abschließend stellt Eric Enge einige Fragen in den Raum, die er für notwendig hält, wenn man gute und saubere Links akquirieren möchte:

  1. Würde man den Link auch setzen, wenn es Bing und Google nicht gäbe?
  2. Würde man die Verlinkungen als Beispiel für guten Linkaufbau im Kundengespräch anbringen?
  3. Handelt es sich bei dem Link um „ernstgemeinte Anerkennung“ (genuine Endorsement) vom Linkgeber?
  4. Wird man sich am Ende für diesen Link rechtfertigen müssen?

Sicherlich sollte man diese Punkte nicht unreflektiert im Raum stehen lassen, aber ein wenig darüber nachdenken kann niemals schaden. Punkt eins und drei finde ich persönlich sehr wichtig. Gerade wenn man sich am Beispiel der wissenschaftlichen Zitierweise orientiert, kann es nur positiv sein, wenn man diesen beiden Punkten folgt. Problematischer sind die anderen beiden Punkte. Immerhin sollte bei Punkt 2 auch die thematische Nähe beachtet werden. Würde ich jeden gesetzten Link von mir in einem Kundengespräch vorzeigen? Niemals. Denn woher soll ein Kunde aus dem Inneneinrichtungsbereich wissen, ob es sich bei dem Linkprofil eines anderen Kunden (aus dem Sport-, Unterhaltungs- oder Wirtschaftsbereich) um sinnvolle Verlinkungen handelt? Außerdem spielt hier Punkt 4 indirekt ebenfalls eine Rolle. Eine Sichtbarkeit im zweistelligen Bereich kann für einige Seiten ja durchaus gut sein und vor allem organisch zustande kommen, aber bedeutet dies, dass jeder Kunde (egal wie groß oder klein, egal aus welchem Wirtschaftszweig, egal wie vernetzt) so einen Link „verdient“ hat und einfach mal eben so bekommt? Ich denke nicht.

Abschließend

Komme ich also nun langsam aber sicher zum Schluss. Wie bereits von Matt Cutts angekündigt wird es noch dieses Jahr ein Penguin Update geben, welches es in sich haben wird. Jeder SEO, jede Domain, jeder Internetauftritt sollte sich daher mit dem Qualitätsmanagement im Linkaufbau beschäftigen. Welche Links wurden gesetzt, wie sieht das momentane Linkprofil aus? Wenn diese Fragen geklärt sind, sollte man sich anhand der vier Fragen mit dem eigenen Profil beschäftigen. Außerdem sollte spätestens jetzt auf die Qualität der Links geachtet werden. Der Text auf Searchenginewatch sagt, dass lediglich „unimpeachable“ also absolut unanfechtbare Links gesetzt werden sollen. Eine Theorie, die sich sicherlich in der Praxis nur schwer umsetzten lässt. Denn: Setzen die Links auf die anderen Seiten nicht eigentlich andere? Sind die wirklichen unanfechtbaren Links nicht solche, die eben als Zitat in einem Text von externen Webseitenbetreibern, Bloggern oder Zeitungen gesetzt werden, um den eigenen Artikel mit Hintergrundwissen aufzuwerten?

Ansonsten vielleicht noch ein Zitat aus dem Bericht von Eric Enge selbst:

Was sagt Eric Enge (Searchenginewatch) zum Thema Penguin Update

Es kann also vermutlich nicht schaden, schon proaktiv einmal einen Blick auf das eigene Linkprofil zu werfen. Bei auffälligen Links sollte man sich überlegen, ob man nicht jetzt schon einmal die Webseitenbetreiber anschreibt und um eine Linkentfernung bittet. Aus eigener Erfahrnung können wir nur sagen, dass dies ein durchaus langwieriges Verfahren sein kann. – Und stellen Sie sich erst einmal vor, wie beschäftigt diese Webseitenbetreiber (vermutlich) sein werden, wenn Penguin 2.0 seine Arbeit aufnimmt.

Außerdem kann es sicherlich nicht schaden, auf den ein oder anderen Link in naher Zukunft zu verzichten, der einem nicht ganz „koscher“ vorkommt. Es kann immerhin ein Link sein, von dem man nicht allzu lange „Linkkraft“ ziehen kann.

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Über den Autor

Wer schreibt eigentlich hier? Mein Name ist Helen Schrader, Diplom-Geographin und ambitionierte Bloggerin in den Bereichen SEO und Online Marketing. Schwerpunktmäßig beschäftige ich mich mit E-Commerce, Social Media, internetgestützter Markt- und Meinungsforschung sowie kollaborativen Internetumgebungen.

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