SEOPT e. K.

Author- und Edge Rank oder: Wenn man keine Ahnung hat

Comedian und Kabarettist Dieter Nuhr hatte zu dieser Einleitung bereits schon 1999 meiner Meinung nach die richtige Antwort parat: Einfach mal Fresse halten.
OK, ich denke, die Aufmerksamkeit habe ich nun von den meisten Lesern, aber mit Comedy hat dieser Beitrag nur bedingt zu tun. Viel mehr möchte ich mich ein wenig mit dem inflationären Gebrauch von Textspam und „Gefällt mir“- Junkies beschäftigen. Kann das Eifern nach einem guten AuthorRank etwa auch schlechte Auswirkungen haben? Wie nah stehen sich AuthorRank, EdgeRank und negativ SEO? Kann die enge Verknüpfung von sozialen Netzwerken und Texten vielleicht sogar auf Dauer eine Autoren Reputation nachhaltig schädigen?

Immer wieder dieselben Geschichten

Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass dieser Artikel durchaus auch Diskussionen entfachen könnte und möchte nicht wirklich behaupten, dass ich bislang alles richtig oder außerordentlich fachmännisch angefasst habe, was ich bislang veröffentlicht habe, aber eine kritische Diskussion sollte ja erlaubt sein. Kommen wir aber zu dem Grund, aus dem ich diesen Artikel schreibe: AuthorRank um jeden Preis.

Aber beginnen wir doch beim Anfang. Die letzten Wochen war ich, wie vermutlich der ein oder andere auch, krankgeschrieben. Aber dankenswerterweise gibt es ja in der heutigen Zeit Dinge wie Fernsehen, Tablet und Wi-Fi, weshalb ich nahezu autark die Tage auf meiner Couch verbringen konnte. Und natürlich kann man tagein, tagaus nicht nur DVDs anschauen (und ich habe es wirklich versucht). – Den Status bei Facebook checken, das Google+ Profil überarbeiten, Newsfeeds und RSS-Feeds durchschauen. All dies waren Dinge, die ich in den paar Tagen nahezu perfektioniert habe und all dies waren leider auch Dinge, die mir nach drei Tagen wesentlich mehr auf die Nerven gingen als das ewig dauernde – und nach sieben Jahren wirklich überflüssige – Intro von Dexter.

Inhalt und AuthorRank

Seitdem auch der letzte SEO nun vermutlich erfahren hat, dass Qualität und Content, sprich Inhalte, die neuen Schlagworte in diesem Jahr und somit in der Szene sein werden, versuchen alle auf den Zug aufzuspringen. Mit sehr durchwachsenem Erfolg. Während ich zugeben muss, dass ich Artikel einiger SEOs wahnsinnig gerne lese und ich mich wirklich freue, wenn ich sehe, dass ein Martin Mißfeld, ein Karl Kratz, ein Björn Tantau, Malte Landwehr oder ein Marcus Tandler wieder etwas geschrieben hat, das sich mit aktuellen Themen auseinandersetzt, so bin ich auch immer wieder erschrocken, was gepostet wird, um vielleicht noch ein Pünktchen im AuthorRank zu gewinnen. Auf der Jagd nach Likes und Shares werden dann auf einmal semi-aktuelle Nachrichten in einem falschen Zusammenhang auf den Social Media Seiten immer und immer wieder marktschreierisch angeboten, weil es ja vermutlich doch noch irgendwo jemanden gibt, der einfach mal auf das „Gefällt mir“ drückt. Schließlich war das Problem mit den fetten Fingern ja schon 2012 in der Presse und daher weiß man ja nie, wo man vielleicht doch noch ein Like abgreifen kann. Schließlich haben die Artikel, abgesehen davon, dass sie das Thema verfehlen, ja auch noch Massen an Rechtschreib- und Grammatikfehlern. – Muss doch jedem gefallen. Notfalls postet man es eben nochmal am nächsten Tag. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen oder wie heißt das so schön.

Schließlich ziehen Google (und bald Facebook) bei ihrer Google-Suche bzw. dem Graph Search ganz bestimmt nur Rückschlüsse aus der bloßen Masse an Blog-Posts und Artikeln, die man veröffentlicht. Das sagen ja auch alle anderen SEOs auf Ihren Blogseiten. – Ich meine, ist doch ganz klar, dass Google in der Post Panda und Pinguin Ära und dem damit verbundenen Ende des Linkspams nun bestimmt den Textspam ganz hoch bewerten wird. – Oder nicht?

Churnalism und die Macht der Social Media Signale

Vermutlich bin ich auch kein neuer Nick Davies, aber ich denke, dass der SEO-Szene auf der Jagd nach dem AuthorRank das eigentliche Ziel verloren geht. Eine kritische Auseinandersetzung mit und eine ausreichende Hinterfragung des Themas. Es muss nicht investigativer Journalismus auf höchstem Niveau sein, aber es muss auch nicht das übereilte Umschreiben Artikel anderer sein.

© urbandictionary.com

Jedenfalls habe ich mich mit gefragt: Wird Qualität vielleicht schon jetzt mehr beachtet von Google oder Facebook, als es dem geneigten Autoren vielleicht bewusst ist? Ich meine, jeder weiß, dass Facebook keinen „Dislike“ bzw. „Gefällt mir nicht“ Button hat. Warum das so ist, sei für diesen Artikel einmal dahingestellt (wobei es sehr interessante Artikel aus mediensoziologischer und psychosozialer Sicht zu diesem Thema gibt), aber es gibt immerhin bei Facebook drei verschiedene Arten seine Ablehnung gegenüber abonnierten Themen zu äußern. – Bei Google+ (und somit ja auch einem der Indikatoren für den Authorrank) gibt es immerhin eine.

Ignorieren, Verbergen, Meldung oder Spam melden

Soziale Netzwerke möchten Ihre Nutzer bei Laune halten. Daher gibt es jede Menge Spielereien, mit denen man den Tag verbringen kann. Es kann Kommentiert werden, Gruppen, Firmen und Personen können in gewisser Weise abonniert werden und bei jeder neuen Statusmeldung wird man informiert. Sei es nun ein Foto, eine Statusmeldung, ein Link oder ein Teilen. Inhalte werden veröffentlicht und im Idealfall geteilt, mit einem „Gefällt mir“ versehen oder zumindest angeschaut. – Aber stimmt dies denn wirklich?
Nach dem gefühlt hundertsten gelesenen Brain Fart auf meinen Neuigkeitsseiten habe ich mir die Frage gestellt: Welche Auswirkungen haben wohl negativ bewertete Posts auf Author- und EdgeRank? Ergeben mehr „Plusse“ auf Google+ oder mehr Likes auf Facebook direkt einen besseren Status? Werden neue, aufstrebende Autoren wirklich so viel schlechter behandelt als die etablierten, in die Jahre gekommenen Vorgänger?

Seit meiner Recherche bin ich eindeutig der Meinung: Jein. Momentan vielleicht noch, aber mit den qualitativen Verbesserungen von Google und Graph Search scheinen die richtigen Mechanismen schon implementiert zu sein, um dies langfristig gesehen zu ändern. Immerhin ist mittlerweile jedem SEO und Blogger (hoffentlich) bewusst, dass ein Google+ – Konto für einen guten AuthorRank nicht schaden kann. Und vermutlich kann ein Facebook-Profil nicht schaden, wenn man zu den ersten gehören möchte, die einen hohen EdgeRank aufweisen und Graph Search dominieren wollen.

Lesen meine Fans auch meine Artikel?

Diese Frage sollte man sich als guter Redakteur und Autor meiner Meinung nach stellen, bevor man mit seinem Text beginnt. Recherche sollte einen Großteil der eigentlichen Blog- und Artikelarbeit ausmachen, um sich vom churnalism absetzen zu können. Aufgewärmt schmeckt immerhin besser als schon mal gegessen.

© Facebook

Das obige Bild kennen sicherlich alle, die eine professionelle Seite auf Facebook besitzen. Aber wie viele beschäftigen sich einmal mit den Zahlen, die dahinter stehen? Super, 1.893 beträgt meine wöchentliche Reichweite und insgesamt erreiche ich vielleicht, vielleicht auch nicht 238.974 Freunde von Fans. Wahnsinn. Aber ist dem wirklich so? Wieso sprechen denn dann nur 2 Personen darüber? Und wieso ist die organische Reichweite so gering?

Ein tieferer Blick (der zugegebenermaßen immer noch weit von einer Korrelationsanalyse entfernt ist) in die Facebook-Statistiken kann da helfen. Immerhin können Posts bei Facebook auf drei verschiedene Arten abgewertet werden: Alle verbergen, Nachricht verbergen, Nachricht als Spam melden. Ich habe mich also einmal auf die Facebook Seite von SEOPT e.K. begeben und unsere Statistiken ein wenig ausgewertet. Da ich ja gerade erst wieder genesen bin und mein Wochenende für andere Dinge nutzen wollte, habe ich es mir ein wenig einfach gemacht und mir einen Export der letzten 100 Meldungen erstellen lassen. Dies geht wie folgt:

© Facebook

Mit einem Klick hatte ich nun einen Überblick über die Viralität von Statusmeldungen, Geteilten Inhalten, Photos und sonstigen Inhalten der Seite. Und eben auch einen Überblick über meine Beiträge, die negatives Feedback bei Facebook bekommen haben. In zwei Kategorien sogar: Die Zahl der Personen, die negatives Feedback zu einem Beitrag gegeben hat und die Anzahl der negativen Bewertungen von derselben Person. Nicht nur, dass Facebook drei verschiedene Arten der negativen Bewertungen erfasst, nein, es werden auch zwei quantitative Merkmale statistisch festgehalten. Kommen wir also nun zu der Auswertung der letzten 100 Postings auf der SEOPT Facebook-Gruppe.

Bilder werden eher geteilt und erzeugen Interaktionen

Diese Aussage hat auch meine Auswertung ergeben. Durchschnittlich werden Alben und Bilder auf unserer Facebook-Seite mit einer Wahrscheinlichkeit von 37% eher geteilt als Links zu Blogartikeln auf der Firmenhomepage. Allerdings, und das ist das eigentlich interessante: Sie werden auch wesentlich häufiger ignoriert oder gelöscht als die Artikelhinweise.
Gut, hierbei sollte ich erwähnen, dass die 100 Postings seit dem 31. Juli 2012 insgesamt elf negative Bewertungen bekamen. – Zwei davon waren von mir, um zu sehen, wie schnell diese negativen Bewertungen erfasst werden, und sind somit zu vernachlässigen.  Es bleiben also noch neun weitere Bewertungen, die ich analysiert habe. Drei entfielen davon auf ein bestimmtes geteiltes Album, vier auf unterschiedliche Postings (Panda-Update, Abmahnung, Umtausch und Impressum) zwei auf Meldungen zu Facebook-Neuerungen.

Erfreulich für mich bleibt also (vorerst) festzuhalten, dass ein neuer Blogartikel bei keinem der Firmen-Fans automatisch geblockt oder konsequent ignoriert wird. Natürlich schwanken Sichtbarkeiten, Rückmeldungen und Viralität stellenweise sehr deutlich, aber dies wird ja zum einen von externen Faktoren (Uhrzeit, Wochentag, Wetter, Aktualität usw.) beeinflusst und ist zum anderen ja auch abhängig von den persönlichen Interessen und Vorlieben der Leser in Bezug auf die Prämissen des Artikels.

Abgesehen von einer Person am 2. August (aber wer auch immer es gewesen ist, wird diesen Artikel ja vermutlich nicht lesen) hat niemand seit dem 31. Juli 2012 Meldungen von SEOPT konsequent in seinen News-Feeds ausgeblendet und nur ein Mal wurde eine Meldung als Spam gemeldet bzw. gelöscht. – Und mal ehrlich, was kann man denn an diesem Bild nicht mögen? Nach einer relativ einfachen Recherche und Berechnung weiß ich also nun, dass theoretisch 1% der SEOPT-Fans die Firma zwar mögen, aber keine Nachrichten wollen bzw. nicht die größten Fans von Hunden sind und ich weiß, dass unsere Bilder (von Hunden) zwar die größte Viralität erzeugen, aber nicht von jedem gemocht werden.
Außerdem sind Themen, die eine Diskussion anregen sollen, eher weniger gemocht von unseren Fans. Ein Umstand, der uns allerdings auch schon durch das konsequente ignorieren dieser Postings aufgefallen ist 🙂 Interessanterweise werden diese Diskussions-Anregungen auf unseren persönlichen Profilen eher angenommen als auf der Firmenhomepage. – Da die persönlichen Profile allerdings nicht statistisch ausgewertet werden können wie unsere Firmenhomepage, kann ich hier allerdings nichts zur Anzahl der ausgeblendeten und ignorierten Postings sagen.

Dieses ominöse Wort der Big Data

Gerade im Hinblick auf das Modewort des letzten (und vielleicht auch diesen) Jahres bin ich gespannt, im Laufe der Zeit zu entdecken, inwiefern Google und Facebook in ihren sozialen Netzwerken schon die negativen Bewertungen erfassen und für ihren PageRank und Edgerank heranziehen. Justin Flitter hat sich zu dieser Situation bereits geäußert und ich finde seine Erklärungen auch durchaus nachvollziehbar. – Immerhin stützt er sich ja auf Will Cathcart, den Produktmanager von Facebook höchstpersönlich. Und gerade in Verbindung mit dem kürzlich enthüllten Graph Search machen diese Aussagen deutlich mehr Sinn als vielleicht noch im November des letzten Jahres.

© Edgerankchecker

Ich persönlich denke daher, dass Die beiden Marktführer neben dem AuthorRank auch die Autorität, Authentizität und Qualität bei Meldungen in irgendeiner Art und Weise erfassen. Dieses System ist vielleicht noch nicht so ausgereift, wie man es sich wünscht, aber Panda und Pinguin wurden ja (vermutlich) auch nicht über Nacht entwickelt. Immerhin meinte Cathcart weiter in seinen Erklärungen, dass Seiten mit überdurchschnittlichen Beschwerden herabgestuft werden und wenig kritisierte Beiträge bevorzugt werden würden durch die bessere Qualität der Seiten. Die Gewichtung negativer Nutzermeinungen wird sich daher aller Voraussicht nach nicht nur auf die Reputation des Autoren sondern auch massiv auf die Sichtbarkeit seiner Postings auswerten. – Hoffentlich ein Anreiz zu besser recherchierten und bearbeiteten Artikeln und nicht zu negativ Attacken auf qualitativ höherwertige Beiträge:

© SEOmoz

Menschen die meine Meinung teilen

Auf die Idee zu diesem Artikel kam ich wirklich während meiner Grippe-Zeit, weil ich es nach drei Tagen auf den sozialen Netzwerken wirklich nicht mehr aushielt. Mein „Selbstversuch“, mich durch das filtern SEO-zentrierter Themen weiterzubilden und auf dem Laufenden zu halten, war gescheitert. Ich will in keinster Weise behaupten, dass wir hier in diesem Blog das Non-plus-Ultra anbieten. Aber immerhin wurden frühzeitig Schritte unternommen, um von der neuen Situation durch diverse Google-Updates profitieren zu können: Es wurden ausgebildete Journalisten und Online-Redakteure eingestellt, die sich mit den Themen beschäftigen und ihr Handwerk verstehen.
Vielleicht sollte sich der ein oder andere auch überlegen, ob man nicht zumindest einmal die geschriebenen Artikel in ein Lektorat geben sollte. Eine Situation, von der ich selbst immer wieder Gebrauch mache. Meine (ausgebildete) Lektorin sitzt nebenan und hilft mir durch konstruktive Kritiken und die ein oder andere Ermahnung tagtäglich aus meiner Satzbau- und Kommata-Misere. Notfalls mit Infografiken, Wandbildern und Whiteboard Unterstützung.
Mir bleibt jetzt also nur die Hoffnung, dass Qualität im Laufe der Zeit über die Quantität siegt. Und der AuthorRank bzw. gute Inhalte nicht durch negative SEO bzw. negative Bewertungen befeuert wird.

http://alldaycreative.co.uk/blog/author-rank-has-a-dark-side-in-fact-it-has-four/
http://www.web-ideas.de/social-media/manipulation-vom-author-rank/
http://nikhewitt.blogspot.de/2013/01/why-we-cant-ignore-authorrank-why-that.html