100% „not provided“: Ist das das Ende der Keywords?

100% „not provided“: Ist das das Ende der Keywords?

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Was bedeutet das für die SEO-Branche?
Immer wieder wird in der SEO-Gemeinde ein Thema in den letzten Monaten heiß diskutiert: Was bedeutet die Zunahme des Keywords „not provided“ langfristig für die Zukunft der Suchmaschinenoptimierung im Internet?  „not  provided“ – das ist sozusagen das Keyword-Sammelbecken für verschleierte organische Suchanfragen.

Weil Google die Privatsphäre seiner User besser schützen wollte, implementierte das Unternehmen im Oktober 2011 erstmals die sogenannte Google Secure Search. Fortan wurden Suchanfragen von Usern, die bei Google eingeloggt waren, nur noch über das sichere https-Protokoll abgewickelt und nicht mehr über das herkömmliche http-Protokoll. Mit der Folge, dass ein Teil der organischen Suchbegriffe nicht mehr an das Webanalyse-Tool Google Analytics übermittelt wurde. Mehr als ärgerlich für Webmaster und SEOs, die bis dato über das kostenlose Google Analytics Tool ablesen konnten, welche Referrer die User auf Ihre Seite brachten. Es dauerte nicht lange, bis die Verschlüsselung der Suchbegriffe auch bei der Chrome Omnibox Anwendung fand. Seitdem sind die Informationen über das vom User verwendete Keyword auch hier verloren. Stattdessen ist in der Statistik immer öfter „not provided“ zu lesen, was so viel heißt wie: Das Suchwort wurde nicht übermittelt.

Ein Jahr nach der Einführung der Google Secure Search beschrieb Danny Sullivan bei Marketing Land das Szenario eines „Dark Google“ folgendermaßen: „Dark Google‘ is upon us, and it will only grow darker.“ Wie recht er damit haben sollte, stellt sich nun fast genau ein Jahr später heraus.

Adieu http: Google schaltet um auf https

Der jüngste Schachzug Googles treibt der SEO-Branche Schweißperlen auf die Stirn – und bietet wieder neuen Zündstoff in der aktuellen Diskussion. Etwa eine Woche ist es her, da hat der Internetriese seine Suchfunktion vollständig verschlüsselt. De facto bedeutet das nun, dass alle Suchanfragen der Google-Nutzer – eingeloggt oder nicht – auf die Google SSL Search umgeleitet werden. Warum Google das gerade jetzt getan hat? Folgende Gründe werden in der Öffentlichkeit diskutiert:

Die NSA-Affäre und ihre Folgen: Google setzt verstärkt auf Sicherheit

Im Juni sah sich Google öffentlicher Kritik ausgesetzt, der US National Security Agency über das Spionage-Programm „PRISM“ den Zugang zu sensiblen, privaten Daten seiner User ermöglich zu haben. Von dem Vorwurf betroffen waren im Übrigen auch andere Unternehmen wie Apple oder Facebook. Sie alle bestritten, Kenntnis von der Spionage-Software gehabt zu haben – auch Google, wie bei The Guardian zu lesen ist:Google cares deeply about the security of our users‘ data. We disclose user data to government in accordance with the law, and we review all such requests carefully. From time to time, people allege that we have created a government ‚back door‘ into our systems, but Google does not have a back door for the government to access private user data.“ Nichtsdestotrotz war der PR-Schaden immens. Offensichtlich wollte sich Google mit der Einführung des flächendeckenden https-Protokolls das Vertrauen seiner User zurückerobern.

Fördert Google mit der Verschlüsselung AdWords?

Andere Stimmen wiederum unterstellen dem Unternehmen weniger hehre Ziele. Sie vermuten vielmehr, dass das kostenpflichtige Tool AdWords vorangetrieben werden soll. Interessanterweise sind bei diesem die informativen SEO-Daten nämlich nach wie vor abrufbar. Davon allerdings distanziert sich Google offiziell in einer Stellungnahme, die Danny Sullivan bei Search Engine Land veröffentlichte: „We want to provide SSL protection to as many users as we can, in as many regions as we can — we added non-signed-in Chrome omnibox searches earlier this year, and more recently other users who aren’t signed in. We’re going to continue expanding our use of SSL in our services because we believe it’s a good thing for users….The motivation here is not to drive the ads side — it’s for our search users.“

Es mag uns gefallen oder nicht. Fest steht jedenfalls, dass die SEO-Branche wird lernen müssen mit dieser Entwicklung umzugehen. Denn etwa seit Ende August ist ein rasanter Anstieg des „not provided“-Keywords zu verzeichnen. Seit November 2011 veröffentlicht die Website www.notprovidedcount.com die „not provided“-Daten von 60 Seiten. In dieser Statistik ist abzulesen, dass der durchschnittliche Anteil der „not provided“-Daten Anfang September noch bei rund 53 Prozent lag, am 1. Oktober jedoch schon bei gut 80 Prozent. Die Prognose vom 2. Oktober sagt vorher, dass „not provided“ bereits am 17. November 100 Prozent erreicht haben wird.

100 Prozent „not provided“: Was bedeutet das für die SEO-Branche? 

Welchen Einfluss aber hat denn nun die flächendeckende Einführung der verschlüsselten Suchfunktion auf die tägliche Arbeit der SEO-Spezialisten? Die Internet-Plattform SEO-united.de hat dazu in einer Blitzumfrage Experten aus der Branche befragt und ein gespaltenes Meinungsbild gezeichnet. Die einen sprechen von einem großen Einschnitt im Bereich der Suchmaschinenoptimierung, andere wiederum postulieren, dass man sich nun verstärkt auf den Content der Websites konzentrieren müsse und wieder andere wissen bereits, wie man über Umwege trotzdem zu den Daten gelangt, die man für seine Arbeit braucht. (Interessante Einblicke hierzu bietet beispielsweise der Artikel von Jennifer Slegg, der bei Search Engine Watch erschienen ist.)

Und schließlich bleibt neben dem Bezahl-Tool Google Adwords auch noch die Suchfunktion über Google Instant Autocomplete von der neuesten Entwicklung unberührt. Auch Google Webmaster Tools liefern nach wie vor informative Daten, wenngleich diese die Referrer-Daten nicht ausgleichen können, wie eine aktuelle Fallstudie der Bloofusion Germany GmbH aufzeigt. Der Geschäftsführer der Agentur, Markus Hövener, konstatiert dazu: „Google nimmt Unternehmen mit der immer weiter fortschreitenden Unterdrückung der Suchanfragen wertvolle SEO-Daten. Wie wir zeigen konnten, sind die Daten aus den Google Webmaster Tools kein wirklich adäquater Ersatz dafür. Unternehmen, die ihren Long-Tail-Traffic erforschen möchten, sollten also z. B. die neue über AdWords bereitgestellte Statistik abrufen, um hier auch langfristig zuverlässige Daten zur Verfügung zu haben.

Oder überhaupt irgendwelche Daten. Denn ungefähr zu dem Zeitpunkt als Google die Suchfunktion umfassend auf https umstellte, verweigerte auch Google Webmaster Tools spontan seinen Dienst. Absicht oder Fehler im System? Was erst Böses erahnen ließ, hat sich unterdessen nicht bewahrheitet. Mittlerweile wird von einem temporären Bug gesprochen. John Mueller vom Google Webmaster Tool Team Europe antwortete in einer Nachricht im Google Webmaster Forum: „The team is aware of the problem and working on speeding that data back up again. Thanks for your patience in the meantime.

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Über den Autor

Wer schreibt eigentlich hier? Mein Name ist Eren Kozik, Gründer und Inhaber von SEOPT und beschäftige mich seit 2005 mit der Optimierung von Webseiten für Suchmaschinen. Privat beschäftige ich mich intensiv mit meiner Familie, dem Laufsport und dem funktionellen Training.

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